reisebericht namibia reisen - auf der suche nach dem abenteuer in der kalahari - teil II

An unserem ersten Tag auf der Straße machen wir uns ganz gut, nach zwei Stunden haben wir schon gute 200 km von insgesamt 330 km hinter uns gelassen – zugegeben kein Kunststück auf der schnurgerade asphaltierten Transitstrecke, dennoch sind wir begeistert von uns.   

Quelle: Googlemaps
Quelle: Googlemaps


Wir haben es geschafft und uns amersten Tag in Windhoek zurecht gefunden, selbstständig für die bevorstehende Reise versorgt und ganz entspannt aus der Stadt auf unsere heutige Reiseroute gefunden.

Zugegeben, die Route auf der B1, parallel zu den Bahngleisen jedoch ohne Zug, ist nicht sonderlich spektakulär, dennoch sind wir immer noch total aus dem Häuschen infolge der fremdartigen und aufregenden Umgebung.

Spannender wird es schlagartig mit dem Abbiegen auf die C20, welche uns weiter in den Westen Namibias und damit in die Kalahari Wüste bringt. Einzigartig ist der Moment in dem der erste Dünenhügel mit dem Auto erklommen ist und den Blick in die leichte sanft begrünte Senke freigibt, bis der feine rote Sandboden sich wieder bis zur nächsten Dünenreihe anhebt.    

 


Die Kalahari Wüste verläuft als Sandwüste in Süd- Nordrichtung durch Südafrika, Namibia, Botswana bis nach Angola und Sambia hinein. Der westliche Teil Namibias ist durchzogen von den roten Paralleldünen der Kalahari, in den geschützten Senken zwischen zwei Dünenkämmen findet sich eine erstaunliche Vielfalt an Flora und Fauna.

 

Einfach der Wahnsinn, wenn man so etwas noch nie gesehen hat, dieses rot, die Dünen, der matte Graston, die ungewohnten Formen der Bäume und nicht zuletzt die Tiere – tatsächlich „pesen“ Strauße in atemberaubender Geschwindigkeit neben dem Auto her und nicht nur einer oder zwei, nein ganze Herden – kein Vergleich zu einem Zoobesuch. Seitdem ich diese Tiere ein Mal in freier Wildbahn gesehen habe, hat jeder Zoobesuch seinen Reiz verloren.    

 

 

Außerhalb der Dünenbänder ist die Ebene durch eine karge Steppenlandschaft geprägt, welche auf mich jedoch nur faszinierend wirkt, die Weite, der Himmel und die sengende Sonne, einfach umwerfend schön.    

 


Nach knappen 4 Stunden erreichen wir Stampriet – irgendwo im Nirgendwo und davon links gelegen ist unsere Lodge – das Kalahari Farm House - auf einem großen Farmgelände, auf dem dank ausgeklügelter Bewässerung neben Obst und Gemüse sogar Weinbau betrieben wird. Von weitem hat man ein wenig das Gefühl, sich einer Oase zu nähern - die gesamte Umgebung ist durchsetzt von Gelb- und Brauntönen, lediglich das Farmhausgelände ist knackig grün und umgeben von hohe Bäumen und Palmen.    

 


Insgesamt  befinden sich auf dem Gelände 8 gemauerte Bungalows im kapholländischen Stil. Das Innere ist liebevoll und stilsicher eingerichtet, Highlight ist der Kamin, mit dem das doch kalte Holzhaus beheizt werden kann und das ist auch notwendig. Auch und gerade in den Wüstenregionen sind die Temperaturschwankungen besonders extrem, unsere Reisezeit Anfang September und damit Frühlingsbeginn in Namibia zeichnet sich durch noch niedrigere Temperaturen aus.

Tagsüber erfreuten wir uns angenehmer 25 Grad – nachts ging es aber noch auf mehr als kühle 3 Grad herab.

 

Vor der Nacht wollten wir aber noch etwas erleben. Wie sich herausstellte sind die Möglichkeiten vorort jedoch begrenzt, neben der Farmhauserkundung (nach max. 1 Stunde erledigt) steht noch Schwimmen im hauseigenen Pool auf dem Programm, das war es dann aber auch schon.

Dafür werden in Kooperation mit der Kalahari Anib Lodge zu Sonnenauf- und untergängen Safaris in die Kalahari angeboten. Leider war die Sundownerfahrt schon ausgebucht (nicht gut geplant von uns), so dass wir die Tour auf den nächsten Morgen vertagen mussten. Morgen ist gut, Start der Tour ist um 5 Uhr an der Anib Lodge, welche vom Farmhouse ca. 30 Autominuten entfernt liegt. Im Klartext heisst das um 4:00 Uhr aufstehen und um 4:30 Uhr Abfahrt. Glücklicherweise kann das anschließende Frühstück in die Anib Lodge eingenommen werden und der sofortigen Weiterreise steht nichts im Weg.

Bleibt nur noch das Fahren in der frühmorgendlichen Dunkelheit wovor man uns mehrfach gewarnt hat – was solls, no risk no fun...

 

Zuerst gibt es aber Dinner und was für eins: ein drei Gänge Menü und das auch für mich als Vegetarier.

Als ich wir am nächsten morgen frierend und fluchend mit unseren schweren Taschen zum Auto wanken bleibt mir von dieser Lodge die chillige Atmosphäre, ein cooles Holländerhaus und wirklich gutes Essen in Erinnerung und das wird für den Vegetarier nicht immer so sein...

 

 

Auf geht es zur Safari – endlich! Unterschätzt hatten wir allerdings diese absolute Finsternis, die man als Europäer überhaupt nicht gewohnt ist. Schon klar, mit Straßenbeleuchtung habe ich auch nicht gerechnet, aber die ganze Umgebung ist unglaublich dunkel und Umgebungslicht wird auch nicht reflektiert, man kommt sich wirklich vor wie in einem Bären...

Na ja, einfach vorsichtig fahren, sind ja nur 30Minuten und dann übernimmt ein anderer das Steuer. Läuft auch ganz gut, der Wagen ist mittlerweile auch warm – wenn mich da nicht plötzlich zwei milchig weiße Augen aus der Ferne in Straßennähe oder vielleicht auch auf der Straße anglotzen würden, also erst mal schnell voll in die Eisen treten.

Noch während unser Koloss versucht zum Stehen zu kommen, taucht direkt neben uns auf der Straße die zu den Augen gehörende Silhouette eines Pferdes auf und noch mehr Augen und noch mehr Silhouetten, welche in Sekunden zu einer ganzen Pferdeherde neben und auf der Straße werden – unser Wagen steht! Puuh, das war knapp und hätte uns gerade noch gefehlt! Zutiefst beeindruckt von der Wildpferdeherde und mit weichen Knien setzen wir unsere Fahrt zur Anib Lodge fort, wo auch schon Timo unser Guide mit seinem Toyota Hilux auf uns wartet.

  


Bevor er uns auf die erhöhte Ablagefläche mit Sitzen verfrachtet, reicht er uns noch ein paar warme Decken, mit dem Hinweis – es könnte kalt werden.

Nicht, dass ich nicht schon alles an Kleidung am Körper hätte, was ich mitgebracht habe – mir schwant Böses. Da gab es doch im Buch Hummeldumm eine Safari in die Wüste – ohh nein. Schon geht sie los, die wilde fahrt im Stockfinsteren in die Kalahari. Timo sitzt vorn schön im Warmen, und uns pfeift der eisige Wind bei 3 Grad plus 30 kmh um die Nase. Dann verkündet Timo, jetzt drücke er mal drauf, damit wir es rechtzeitig auf den letzten Dünenkamm zum Sonnenaufgang schaffen.

Ganz ehrlich – ich bin fast erfroren, und gerade noch rechtzeitig erreichen wir unseren Sunrise-Aussichtspunkt.

    


Auf diese Schönheit in der Einsamkeit war ich nicht wirklich vorbereitet – Wahnsinn, wie die Sonne sich langsam über die Savanne erhebt und das Gras in Gelb-, Orange- und Rottönen streichelt, ich bin hin und weg! Neben uns liegen ein paar Eierschalen von geschlüpften Straußenbabies – faszinierend und ohne weitere Worte.

Und dann reicht Timo uns und damit seinen beiden einzigen Fahrgästen einen heißen Kakao, der die unterkühlten Knochen wieder auf Temperatur bringt.

Auf dem Rückflug von Windhoek werden wir die sagenhafte Paralleldünenlandschaft der Kalahari noch aus der Luft bewundern dürfen, da kann man schon mal eine Träne wegdrücken.

 

Nach der kurzen Stärkung nun aber weiter durch die Kalahari – mittlerweile ist es auch hell und überall entdecken wir Tiere in der spärlichen Vegetation der Kalahari, von großen Oryx Antilopen bis hin zur „second smallest Antilope“ – ganz wichtig, in Nambia ist alles second, warum – keine Ahnung – ist aber so.   

  


Nach diversen Auf`s und Ab`s über die Dünen in einem anständigen Offroad-Style stoppen wir vor einem besonders schönen der unzähligen Kameldornbäume, die zu den Gehölzen der Akazien gehören und hauptsächlich in den trockeneren Gebieten von Südafrika, Botswana, Angola, Zambia, Zimbabwe und natürlich Namibia vorkommen, wie wir von Timo lernen.    

  


Aber noch nicht genug der interessanten Biologiestunde: Kameldornbäume haben extrem tiefgehende Wurzeln. Wenn alles gut geht, reichen sie bis zum Grundwasser und sichern den Bäumen so eine durchgängige Wasserversorgung. Mit ihren Dornen sichern sie sich effektiv vor Fressfeinden – bis auf die Giraffen, denen macht das nichts aus. Aber auch darauf hat dieser Wunderbaum eine Antwort: Frisst eine Giraffe an den Blättern, so werden die Blätter im Laufe der Zeit bitter und die Giraffe zieht weiter. Aber noch nicht genug: Der Baum sendet Warn-Duftstoffe mit dem Wind. Gelangen diese zu einem benachbarten Kameldornbaum, nimmt dieser die Duftstoffe war, ist gewarnt vor eventuellen Fressfeinden und antwortet ebenfalls mit bitter schmeckenden Blättern. Als Timo diese Geschichte erzählte, konnte ich es kaum glauben – der veräppelt uns doch! Nein, Timo hat recht – echt irre diese Bäume – kommunizierende Bäume.

 

Vielleicht habt ihr während meiner begeisternden Ausführungen zum Kameldornbaum schon dieses „Riesen Dings“ in der Baumkrone entdeckt. Ich verrate es Euch: Das sind die Originalraumschiffe aus Independance Day – wirklich!    

  

 

Seht ihr die diversen kleinen Löcher - das ganze wirkt wie ein Schweizer Käse. Das sind die Einfluglöcher für ihre Baumeister: die Webervögel – ganz kleine und irre schnelle Vögel, welche da in einem Affenzahn rein und raussausen, ganz so wie die kleinen Raumschiffe in „Independance Day“. Ich bin mir ganz sicher, dass Roland Emmerich sich die Raumschiffe von den Nestern der Webervögel abgeguckt hat...

 

So ein Bau beginnt ganz klein, mehre Webervögel bauen kleine Einzelhäuser im Baum, je mehr es werden umso enger wird der Abstand zwischen diesen Behausungen, bis kein Platz mehr vorhanden ist und alle quasi mit einem Hochhaus  vorlieb nehmen müssen.

Gemein nur, dass Timo auch noch erzählen muss, dass eben dieses Hochhaus vor und nach dem Schlüpfen der Jungvögel Angriffsziel diverser Schlangen ist, die den Baum hochkriechen und ein Webermahl feiern.

Irgendwie muss Timo meinen panischen Blick und das wirre Umherschauen bemerkt haben – er versichert mir, dass zur Zeit keine Brutzeit ist und die Schlangen so früh im Frühling noch sehr träge sind. Uns Menschen mögen sie sowieso nicht, sondern nehmen eher Reissaus – weil wir Menschen für fast alle Schlangenarten, bis auf die Black Mamba, unerträglich stinken. Ah ja, sehr beruhigend Timo, jetzt habe ich noch mehr Muffe vor der Black Mamba!

 

Nach all diesen tollen Eindrücken und Geschichten ist jetzt erst mal ein anständiges Frühstück angesagt, bevor es dann weiter gen Süden zum Fish River Canyon geht.

Was gibt es zu dieser Etappe noch zu bemerken: Immer die Sunrise Tour buchen, die Wahrscheinlichkeit, fast allein mit dem Guide zu sein ist sehr hoch. Niemals im Dunkeln in Afrika fahren – macht einfach keinen Sinn. Wer in diese Gegend reist, ist definitiv auch gut in der Anib Lodge aufgehoben, auch wenn Sie vielleicht nicht ganz so schön ist wie das Farmhouse...

 

Ach ja – fast hätte ich es vergessen, dass Kälteempfinden in Namibia ist definitiv nicht mit unserem zu vergleichen und ich bin schon eine Frostbeule. Namibianer laufen gern auch mal bei 15 Grad noch mit Mütze und Daunenjacke herum – sehr skurril, insbesondere wenn sie auch noch einen Kalahari-Ferrari (Eselskarre) hinter sich herziehen. 

 

Hier geht es weiter zum Fish River Canyon...

 


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