reisebericht namibia reisen - auf in die surreale mondlandschaft des südlichen fish river canyons - teil III

Heute steht echt Strecke auf dem Programm. Nach der coolen Safari am Morgen geht es nun von der Kalahari 500 km südlich bis zum Ais Ais Camp in der „Nähe“ des Fish River Canyon. Nach einem letzten asphaltierten Stück auf der B4 geht es heute auch ab auf die sogenannten Pads (gekennzeichnet mit C), das C12.

 

Insgesamt wird uns der Ritt gute 7 Stunden kosten, zum Glück wissen wir das jetzt noch nicht...    

 

Quelle: Googlemaps
Quelle: Googlemaps

 

Auf unserem Weg liegt auch der Köcherbaumwald in der Nähe von Keetmanshoop, dem ich unbedingt einen Besuch abstatten möchte – diese Bäume sind einfach unglaublich und haben ihren Namen von den Pfeilköchern, welche die Einheimischen früher daraus gefertigt haben. Das folgend abgebildete Exemplar ist eher lächerlich, aber zumindest habt ihr nun eine Vorstellung.

Diese Bäume wachsen auf dem kärgsten Untergrund und an den steilsten Hängen und trotzen der Trockenheit und Hitze.    

 


In der Nähe des Köcherbaumwalds angekommen stellen wir fest, dass wir uns zeitlich verzettelt haben – Mist, das war es dann mit dem Abstecher. Ich kann nur jedem empfehlen, der ebenfalls in den Süden Namibias oder über diese Route in Richtung  Lüderitz oder Swakobmund fährt hier einen Zwischenstopp einzulegen und den Sonnenuntergang im Köcherbaumwald zu genießen.

 

Der Übergang von Asphalt auf die Schotterpads ist gewöhnungsbedürftig, es fühlt sich ein wenig an wie das Fahren auf Schneematsch, ein permanentes Schwimmen des Wagens,  in Kombination mit einem ständigen Ruckeln aufgrund der vielen kleinen zusammengefahrenen Rillen im Boden.

Die Kunst ist es so schnell zu fahren, das man die Rillen durch die dicken Geländewagenreifen nicht mehr merkt, aber nicht so schnell, das das Fahrzeug instabil wird. Besonders anfangs sollte man sich keineswegs überschätzen. Zwar gewinnt man relativ schnell ein gutes Gefühl für den neuen Untergrund. Dennoch erfordert das Fahren auf Pads wesentlich mehr Konzentration und verzeiht nur wenige Fehler. Zudem muss permanent nach dicken Steinen und größeren Schlaglöchern Ausschau gehalten werden, um diese sicher umfahren zu können.

Zu guter Letzt gibt es immer noch das Risiko eines Platten und dem damit verbundenen Ausbrechen des Fahrzeugs – nein, darauf bin ich nun wirklich nicht scharf. Kurzum, nach zwei Stunden Padfahren fühlen wir uns wohl und wie „richtige Abenteurer“ mit der uns folgenden Staubwolke...

 

Mit den Pads wird auch die Landschaft immer kärger und in der Ferne beginnen sich komische Schichtberge am Himmel aufzutürmen – skurril und geil zugleich...    

 


Es wird immer einsamer und mit der Einfahrt in das Naturschutzgebiet, einen NWR Park werden Fahrzeuge immer rarer, teilweise treffen wir nur noch im Stundentakt auf ein entgegenkommendes Fahrzeug. Auch beginnen die Menschen in den anderen Autos per Handzeichen zu grüßen – wohl eine Art respektvolle Freude, jemanden in der Einsamkeit zu treffen. Natürlich übernehmen wir diese Geste umgehend: und ja es hilft, es wirkt beruhigend und lässt einen glauben, dass man doch nicht ganz auf sich allein gestellt ist sollte etwas passieren.

 


Staubwolken am Horizont sind immer gut, sie bedeuten, dass wir sind nicht allein sind in dieser lebensfeindlich wirkenden Mondlandschaft an der ich mich gar nicht satt sehen kann.

 

Das Driften auf den Pads macht mittlerweile irre Spaß. Aufpassen muss man allerdings beim Wechsel von einer Parzelle in eine andere. Namibia ist „fast“ vollständig in Parzellen anhand von Zäunen aufgeteilt. So wird sichergestellt, dass der Tierbestand des Landeigentümers auch auf dem parzellierten Land bleibt.

Kreuzen sich zwei Parzellen an einer Straße, so könnten die Tiere theoretisch über die Straße von einer Parzelle in die andere wandern. Um dies zu verhindern sind auf der Parzellengrenze mehrere sich drehende Rollen im Boden eingelassen, welche die Tiere nicht passieren mögen.

Über diese Rollen sollte man nicht unbedingt mit hoher Geschwindigkeit mit dem Geländewagen fahren, zumindest wenn Euch die Hinterachse lieb ist!   

 


Besonders schwierig beim Photographieren in Namibia ist das Einfangen des blauen Himmels. Wirklich gut zu treffen ist er nur eine Stunde nach Sonnenaufgang und eine Stunde vor Sonnenuntergang. In der Zwischenzeit ist der Himmel so hell, dass er weiß erscheint. Ein wenig helfen kann man sich durch den Einsatz eines Polfilters. Ich habe diesen permanent verwendet – das gibt den Farben so eine schöne Intensität und arbeitet die unterschiedlichen Brauntöne besser heraus. Diese Brauntöne sind einfach der Wahnsinn! So habe ich diese Farbe vorher noch nie gesehen und ich liebe es, obwohl ich „braun“ eigentlich gar nicht so gern mag.    

 

 

Mitten im Nirgendwo stoßen wir auf den ersten von vielen verlassenen Oldtimern in Namibia. Ein irres Exemplar, deutlich gezeichnet von der Zeit und übersäht mit diversen Einschusslöchern.

Dieser Oldtimer hat es mir wirklich angetan, das Bild ist einfach so herrlich surreal, „in the middle of the f... desert“, einfach unglaublich... 

 


Je weiter wir nach Süden kommen, umso zerklüfteter wird die Landschaft. Erste kleinere Canyons zeichnen sich als Vorboten des Fish River Canyon am Horizont ab.    

 

 

Am Rande des Einganges zum Naturschutzgebiet des Fish River Canyon liegen die „Canon Roadhouse Lodge“ als preiswerte Unterkunft und die „Canon Lodge“ für etwas mehr Luxus. Von hier aus sind es etwa 30 Autominuten bis zum Canyon.

Für uns heißt es noch zwei weitere Stunden Autofahrt bis in das staatliche NWR Ais Ais Camp. Unter heutigen Gesichtspunkten würden wir sicher eine der Canon Lodges wählen – hinterher ist man immer schlauer...    

 

 

Wir kämpfen uns tapfer und ein wenig erschöpft vom Fahren durch die Kraterlandschaft, um gegen ca. 17 Uhr das Camptor zu passieren. Niemand erwartet uns, d.h. wir stehen nicht auf der Tagesliste am Tor. Kein gutes Gefühl, so hätte uns vermutlich auch niemand gesucht, wenn wir nicht bis 18 Uhr im Camp angekommen wären.

Alle Lodges unserer Tour sind vorgebucht und darüber informiert, an welchem Tag wir eintreffen. Einerseits damit wir auch einen Schlafplatz in Form eines Zimmers haben und andererseits auch damit nach uns gesucht werden würde, wenn wir uns bis Sonnenuntergang nicht am Tor angemeldet haben. In diesem Fall hätte also niemand nach uns gesucht – wie beruhigend...     

 


Der Empfang ist mittelmäßig freundlich, die Einrichtung der Anmeldung karg. Wir fahren zu unserem 70ger Jahre mit Reet gedecktem Betonklotz mit eigener Garage unter der Wohnung für den Hiloux. Ein bisschen kommt man sich vor wie in einem Staatscamp im europäischen Ostblock. Gut, also Vorurteile beiseite und rein ins Zimmer für die nächsten zwei Tage und ganz ehrlich, gar nicht so schlecht, geräumig, eigener Balkon etc. und der Knaller: einmal durch die ganze Wohnung durch stehen wir vor einer Tür, hinter der sich nichts anderes verbirgt als die für alle Gäste zugänglichen Thermalbecken. Nicht umsonst heißt es hier Ais Ais Hot Spa, dann mal auf in das Vergnügen, oder lieber doch nicht? Wer weiß, was da alles für fiese Bakterien und Amöben schwimmen.

Unsere Neugierde hat gesiegt und kurz vor der Abreise haben wir noch ein wenig geplanscht, leben noch und alle Gliedmaßen sind auch noch dran. Sollte jemand von Euch mal vor diesen Quellen stehen – sie sind anscheinend unbedenklich...

 

Nach der langen Fahrt freuen wir uns so richtig auf ein anständiges Essen – aber obacht, in staatlichen NWR Camps besteht immer das Risiko abweisender Angestellter sowie mittelmäßigen Essens. So sollte es leider auch hier sein, insbesondere der Vegetarier schaut ganz tief in die Röhre und der Campshop wurde auch schon länger nicht mehr wirklich bestückt. Eingeschränkte Versorgung am südlichen Zipfel Namibias.

 

Am nächsten Morgen geht es geht es zum Fish River Canyon – also zwei Stunden die gestrige Strecke zurück. Was soll`s – am Ais Ais Camp gibt es neben der Quellen wenig Besonderes.

Zuerst hatten wir uns überlegt, den Fish River Canyon erst am kommenden Abreisetag zu besichtigen, schließlich würde er ja auf dem weiteren Weg liegen. Doch unsere Lage abseits vom Schuss muss ja genutzt werden und wir planen unsere südliche Route anders.

Nach einiger Recherche im Ianowski`s werden wir fündig und entscheiden uns, die wenig befahrene und sehr reizvolle Geländewagenstrecke entlang des Oranje Grenzflusses zu Südafrika entlangzufahren, um zu unserem morgigem Tagesziel aus zu gelangen.

Jeder der nicht die Strecke am Oranje entlang fahren möchte, sollte unbedingt eine Lodge in der Nähe des Fish River Canyons beziehen, damit er sich nicht todgurkt, denn neben dem vielen hin und her Gefahre macht diese Mondlandschaft - egal wie faszinierend sie ist - auf Dauer ein wenig depressiv.

 

Also machen wir uns nach dem Frühstück auf den Weg, die Strecke des Vortages zurück Richtung Fish River Canyon. Den Canyon sieht man nicht wirklich kommen, außer das man mal wieder die Einfahrt in ein anderes Naturschutzgebiet passiert, das Pad etwas rauer wird und man plötzlich vor einer Aussichtsplattfrom steht – nach dem Erklimmen schaut man dann urplötzlich auf das – WOW.     

 


Sicher, es ist nicht der Grand Canyon, denn wie wir ja schon gelernt haben ist in Namibia alles „second“, in diesem Falle der „second biggest Canyon in the world“. Für meine Augen ist er trotzdem so beindruckend, dass ich in diesem Urlaub das einzige Mal mein Objektiv am Tage aufbaue, um eine exakte Panoramaaufnahme zu machen.

Zum Glück sind wir fast allein auf der Plattform, wohingegen es in der Hauptsaison wirklich voll werden kann hier, dann verliert der Moment wohl so Einiges.

 

Da es sich hier primär um einen Photographieblog handeln soll und die Photographie, neben den Bildern,  bis jetzt ein wenig kurz gekommen ist – nun ein paar Worte zum Photographieren des Canyons.

Da der Canyon von Norden nach Süden verläuft gibt es folgendes zu beachten, damit es auch mit den Photos klappt. Zum einen wird es mit dem Sonnenaufgangsphoto nichts werden, das Licht fällt erst 2,5 bis 3 Stunden nach Sonnenaufgang in den Canyon. Zum anderen sind auch Sonnenuntergangsphotos eine schlechte Wahl, der Canyon ist bereits dunkel und die Sonne blendet von Westen. Also macht einfach das Beste aus der Situation, es gibt Schlimmeres...

 

Nebenbei - ihr habt es sicherlich schon bemerkt – Namibia eignet sich aufgrund der Weite/Breite der einzufangenden Momente extrem gut für Panoramaaufnahmen. Anfänglich versuchte ich mich mit dem Weitwinkelobjektiv, was für bestimmte Aufnahmen auch die erste Wahl ist. Oftmals soll der Vordergrund aber nicht dominant werden, insbesondere, wenn der Hintergrund weit entfernt ist und keinen extremen Kontrast zum Rest der Umgebung bildet. Häufig reicht das Weitwinkel aber auch einfach in der Breite nicht aus. Dann kommt noch das Filterproblem bei Weitwinkelobjektiven hinzu. Auf den Polfiltersolltet ihr beim besten Willen infolge des gleißenden Lichtes, überwiegend weißen Himmels und der vorherrschenden Brauntöne nicht verzichten.

 

Also was liegt näher als Panoramaaufnahmen, meistens einfach entspannt aus der Hand aufgenommen, auch bei 10 Bildern pro Aufnahme. Nein – der Nodalpunkt ist fast nie ein Problem. Meistens gibt es keine sich verschiebenden Objekte in der Ferne, vielmehr wird eher die Weite des Vordergrundes gegen ein entferntes massiveres Objekt abgebildet. Also probiert es einfach aus, es macht wirklich Spaß. Ein abschließender Tipp noch. Meine erste Aufnahmen waren immer viel zu weit vom eigentlichen Objekt entfernt, – also geht „nah“ ran.    

 

 

Neben dieser Aussichtsplattfrom gibt es noch diverse weitere Aussichtspunkte, welche aber nur mit einem Geländewagen und besser auch mit 4x4 oder zu Fuß erreicht werden können. Allerdings bietet keiner diesen perfekten Einblick in den Canyon.   

 

 

Wir haben uns entschlossen, mit dem Geländewagen einige nicht zu sehr entfernte Aussichtspunkte anzufahren. Extrem viele spitze Steine, ich hoffe, dass gibt keinen Platten. Das Fahren wird anspruchsvoller, die Wege schmaler, auch mal gern am Abgrund entlang – das ist besonders gut bei meiner Höhenangst, urghh!

Am letzten ohne „4x4“ erreichbaren Aussichtspunkt (wir haben schon lange 4x4 zugeschaltet - also nur für Einheimische ohne 4x4) treffen wir auf eine Gruppe Wanderer – zwei Ehepaare. Wie wir erfahren sind alle vier Holländer und ein Paar lebt schon seit Jahrzehnten in Windhoek. Eigentlich wollten sie eine Woche im Canyon wandern, jedoch ist eine Person krank geworden. Mit ihrem Satellitentelefon haben Sie Hilfe gerufen und sind aus dem Canyon (Bild oben – ja genau, da wo das Rinnsal fließt) bis zu uns aufgestiegen.

Die sind doch total wahnsinnig - und so sehen sie auch aus. Man, das ist nichts für Warmduscher – ehrlich, also nix für mich.

Auf jeden Fall haben wir die vier völlig erschöpften Holländer in unseren Toyota eingeladen, der Härteste von ihnen fand seinen Platz auf der Ladefläche und ab geht`s zurück zur Aussichtsplattform an der wir auch ihrem gerufenen Lodge-Landi begegnen und sie umsteigen.

Uns ist klar – wir sind keine Abenteurer, sondern entspannter Mainstream Abenteuer machen die wahnsinnigen Holländer...

 

Unsere kommende Etappe wird uns wieder gen Norden entlang des Grenzflusses Orange bis nach Aus führen.

 


Dies könnte auch interessant sein für Dich

 

Planst Du eine Reise in das südliche Afrika - nach Namibia, Botswana, Südafrika oder Simbabwe, dann findest Du hier meine Reiserouten, vielleicht ist ja auch die richtige Route für Dich dabei...



Reisebericht blog fotografie Namibia  Selbstfahrerreise Fish River Canyon  Richtersveld Park afrika