reisebericht namibia reisen - auf dem weg zu den „big five“ in den etosha nationalpark und über das waterberg plateau zurück nach windhoek – teil VIII

Unsere heutige Etappe führt uns aus dem Damaraland auf ca. 306 km gen Norden in den Etosha Nationalpark, dem „Pendant“ zum südafrikanischen Krüger Nationalpark. Über das südliche Anderson`s Gate erreichen wir das Okaukuejo Camp, in dem wir uns registrieren lassen und unsere Parkgebühren entrichten.

 

Das Okaukuejo Camp war ursprünglich als deutsche Polizei- und Militärstation im Jahre 1897 zur Eindämmung der Rinderpestepidemie gegründet worden. 1953 wurde hier der erste Wildhüter im Etosha-Gebiet stationiert und 1957 das Okaukuejo Camp eröffnet. Das Okaukuejo Camp ist das älteste Camp im Park und wurde wie alle Camps 2008 komplett renoviert.

Der Etosha Nationalpark dehnt sich auf beeindruckenden 22.275 km² aus. Seine Wurzeln gehen zurück auf das von Friedrich von Lindequist, dem damaligen Gouverneur von Deutsch-Südwestafrika, im Jahr 1907 gegründete Wildreservat.

 

Der Etosha kommt seit seiner Einzäunung im Jahre 1973 auf eine Ost-West-Ausdehnung von 300 km und eine Nord-Süd-Ausdehnung von 110 km.

Als Folge der Einzäunung wurden künstliche Wasserstellen unabdingbar, da die Tiere aufgrund der Einschränkung in Ihrer Bewegungsfreiheit während der langen Trockenzeit der aufkommenden Wasserknappheit nicht mehr ausweichen können. Eine Folge des Anlegens von künstlichen Wasserquellen war eine signifikante Erhöhung der Arten und der Anzahl der Tiere. Mittlerweile braucht sich der Etosha Nationalpark nicht mehr vor dem Krüger Nationalpark zu verstecken. Alle Großtierarten des südlichen Afrika - mit Ausnahme von Krokodilen, Flusspferden, Wasserböcken und Büffeln - sind heute im Etosha beheimatet.

 

Etosha ist übrigens das Buschmannwort für" große weiße Fläche" und beschreibt treffend die im Park liegende 100 km lange Etosha-Pfanne, welche nur in sehr regenreichen Jahren mit Wasser gefüllt ist.

 

Quelle: Googlemaps
Quelle: Googlemaps

 

Wie in jedem Nationalpark sind die Gates zum Etosha und den im Park liegenden Camps vor dem Schließen zum Sonnenuntergang zu passieren. Erst mit Sonnenaufgang werden die Gates wieder geöffnet. Im Etosha befinden sich nur 4 Camps die von den staatlichen Namibia Wildlife Resorts (NWR) geführt werden, das zentral gelegene Okaukuejo Camp, das östlich gelegene Halali sowie das Namutoni Camp und seit 2011 das im Westen gelegene Dolomite Camp. Insbesondere dieses Camp ist einen Besuch wert, da der westliche Teil des Etosha bis 2011 nur registrierten Reiseleitern zugänglich war und die Region noch dementsprechend ursprünglich und touristenfrei ist. Wer sich für dieses kleine Camp entschließt sollte möglichst früh buchen, da die Betten entsprechend lange im Voraus und schnell ausgebucht sind.

 

Für ungestörte Tierbeobachtungen ist eine Übernachtung in den Camps innerhalb des Etosha besonders zu empfehlen. Die Tiere sind insbesondere zum Sonnenaufgang und Sonnenuntergang aktiv, die Anfahrt vom Anderson`s Gate bis zum Okaukuejo Camp dauert jedoch bereits eine halbe Stunde und eine weitere halbe Stunde bis zu den interessanten Wasserlöchern, so dass man eine knappe Stunde Vorsprung vor den zum Sonnenaufgang am Anderson`s Gate wartenden Touristenbussen hat. Aufgrund der Berühmtheit des Etosha sind die Touristenverhältnisse vergleichbar mit denen im Sossusvlei.

 

 

Mit dem Passieren des Anderson`s Gates wird der Besucher unmissverständlich darauf aufmerksam gemacht, dass er sich hier nicht in einen Zoo sondern in einen Park mit freilebenden wilden Tieren begibt.

Nach einem kurzen Blick auf das Schild fragten wir uns, ob es wirklich Touristen gibt, die im Park aussteigen und herumspazieren, im Auto übernachten oder die Tiere füttern. Anscheinend ja - ansonsten würde es das Schild wohl nicht geben.

Okay, ich gebe zu, auch ich habe mich für das ein oder andere Foto aus dem Fenster gelehnt - aber ganz ehrlich, nur kurz, und ich habe mich immer mehrfach versichert, was um mich herum passiert und ich wäre definitiv nicht ausgestiegen um einen platten Reifen zu tauschen.

 

Eine wichtige Vorsichtsmaßnahme ist aus diesem Grund immer ein geladenes Handy. Empfang ist an den meisten Stellen im Park gegeben und natürlich sollte die Nummer des Camps, in dem man registriert ist, eingespeichert sein. Neben dieser Grundregel sollte auch immer ausreichend Wasser in der Fahrerkabine vorhanden sein, weil es nicht nur drückend heiß wird bei der Tierbeobachtung im Auto, vielmehr kann man infolge einer Panne, je nach Lage im Park, immer darauf angewiesen sein, mehrere Stunden im Auto auszuharren. Genug der mahnenden Worte und auf in das Vergnügen...

 

 

Auf unserem Weg zum Okaukuejo Camp sind wir weniger von der Landschaft als von der Allgegenwart der Tiere beeindruckt. Ähnlich wie der Krueger-Nationalpark ist auch der Etosha-Park ein Touristenmagnet, was das Erlebnis Etosha in der Hauptsaison definitiv wesentlich einschränkt. In der Nebensaison ist der Etosha Nationalpark aber ein empfehlenswertes Ziel und ein Highlight der Namibiareise.

 

Zu unserer Reisezeit Anfang September lässt es sich gut aushalten. Das Camp mit dem angrenzenden Zeltplatz ist mäßig gefüllt und die Reisenden „verlaufen“ sich im Park schnell, auch das „Anstehen“ mit dem PKW am Wasserloch hält sich in Grenzen.

  

 

Der erste Anblick des bei Nacht auch beleuchteten Wasserlochs zum Ende der Trockenzeit im Camp Okaukuejo ist ernüchternd. Unglaublich viele Tiere drängen sich dicht an dicht in völlig verdörrter Umgebung vor dem staubigen und steinigen Wasserloch.

Dieses Bild ist bezeichnend für die Trockenzeit im Etosha, in der die Tierbeobachtungen sehr gur möglich sind, da außer an den künstlichen Wasserlöchern keine Versorgung mit ausreichend Wasser vorhanden ist.

Das Drumherum ist nicht besonders schön, dafür haben die Tiere als Folge der Trockenheit wenig bis keine Versteckmöglichkeiten. Ganz im Gegensatz dazu sind nach der Regenzeit Tierbeobachtungen im grün bewachsenen Park aufgrund der Wasserfülle wesentlich schwieriger.

 

Meines Erachtens sollte der Besuch des Etosha Nationalparks unbedingt in der Nebensaison – zu Anfang des Frühlings oder im Spätherbst sowie außerhalb der Saison im Winter geplant werden. Ein weiterer Tipp ist, immer antizyklisch unterwegs zu sein, also immer der erste morgens, der letzte abends und natürlich in der prallen Mittagssonne, wenn viele Touristen im Restaurant sitzen.

 

Nach Registrierung und Entrichtung der obligatorischen Parkgebühren im Camp ist unbedingt ein Blick in das sogenannte „Tierbuch“ zu werfen. Hier tragen Besucher ihre Tierbeobachtungen der vergangenen Tage nebst Datum, Uhrzeit und genauer Position (Wasserloch) ein. Besonders interessant ist natürlich, wo sich die Löwenrudel aufhalten. Eine vollkommen ausreichende Karte, die eine Beschreibung aller Wasserlöcher im Etosha je nach Jahreszeit enthält ist das DIN A5 große Heft – der „Leitfaden zu den Wasserstellen und Tieren“ – eine besonders empfehlenswerte Investition wie ich finde.

 

Darüber hinaus ist es sinnvoll, eine geführte Sonnenauf- oder Sonnenuntergangs-Safari zu buchen, um das Gelände und mögliche Positionen von Löwenrudeln herauszufinden. Auch den professionellen Safarijeeps zu folgen lohnt sich, da die Ranger unglaubliche Augen und ein echtes Gespür für die Tiere haben.

 

 

Nach unserer Ankunft im Camp und einer kurzen Erfrischung machen wir uns sofort auf zu den nahe gelegenen Wasserlöchern. Ganz in der Nähe befindet sich das Wasserloch Nebrownii, das durch seinen Kalkstaub in direktem Umkreis gekennzeichnet ist. Vermischt sich der Kalkstaub mit Wasser, so ergibt das einen herrlichen Schlamm, den auch die Elefanten besonders zu schätzen wissen.

Elefanten schützen sich vor der Hitze und der extremen Sonneneinstrahlung, indem sie sich selbst mit diesem Schlamm bewerfen. Sie scheinen dieses Bad der besonderen Art wirklich zu genießen und nebenbei hilft es auch, lästige Moskitos fernzuhalten.

Immer wieder schreiben Touristen in das Tierbuch, dass sie bei Nebrowni besonders alte Elefanten gesichtet hätten, wohl eher besonders schlammige Elefanten!

 

An dieser Stelle haben wir mindestens eine Stunde ohne Klimanalage im Auto geschwitzt, die Kamera im Anschlag, der Schweiß läuft über die Augenbrauen auf den Sucher der Kamera, die Luft ist heiß und trocken, es ist staubig und es riecht streng. So oder so ähnlich fühlt es sich an, wenn man auf ein bestimmtes Photo aus. Natürlich war ich auf eine Schlammfontaine aus dem Rüssel eines Elefanten scharf – so richtig schön in die Luft, am besten über den Körper des Tieres.

Meine Geduld war nicht von Erfolg gekrönt, so ist das eben in der Wildlife Photography. Auch das farbige Exemplar hat uns alle möglichen gymnastischen Übungen im Schlamm vorgeführt und sich strikt nicht mehr mit Schlamm beworfen.

Manchmal frage ich mich heute beim Betrachten des Bildes, wann wohl die nächste Schlammladung fällig war – wahrscheinlich unmittelbar nach unserer Abfahrt und das ist völlig in Ordnung.

 

 

Elefanten gibt es im Gebiet des heutigen Etosha Nationalpark erst wieder seit 1950. Zwischen 1880 und 1950 galten die Dickhäuter hier als ausgerottet. Heute wird der Bestand im Nationalpark auf ca. 1500 Tiere begrenzt.

 

 

Besonders gut zur Beobachtung von Elefanten eignet sich auch Olifantsbad im Osten von Okaukuejo. Neben großen Elefantenherden die hier trinken und baden, lassen sich an diesem Wasserloch auch alle anderen im Park vorkommenden Tierarten beobachten.

 

Vor den großen Elefanten ist wirklich Respekt geboten - insbesondere in einer kleinen Kolonne von Fahrzeugen - die sich nicht immer geschickt verhalten.

In eine solche Situation geraten wir auch mit mehreren Jungbullen und obigem Exemplar am westlichen Beginn des Rhino Drive.

Ein großer Reisebus hatte auf dem Rhino Drive einige Elefantenjungbullen ausgemacht, geparkt und dabei die gesamte Straße versperrt. Die nachfolgenden Autos fuhren möglichst dicht aufeinander auf, um die Elefanten sehen zu können.

Exakt die Stelle, die der riesige Reisebus blockiert, scheint der übliche „Trampelpfad“ der Elefanten über diesen Weg zu sein. Da der Reisebus auch für die Elefanten zu groß ist, um ihren Unmut daran auszulassen, weichen sie mit stark wedelnden Ohren und Rennattacken seitlich zu den kleinere Fahrzeugen aus. Diese sind aber so dicht geparkt, dass ein Durchkommen nur schwer möglich ist und das führt nicht gerade zur allgemeinen Beruhigung der Dickhäuter. Nicht genug, immer wieder versuchen Fahrzeuge von hinten aufzuschließen, um einen Blick auf die Elefanten zu erhaschen, anstatt langsam rückwärts abzufahren und die Situation zu entspannen. Auch auf Winkzeichen reagieren die meisten Fahrer nicht.

Die Situation ist angespannt und ein sehr aggressiv wirkender Jungbulle kommt sehr nah an uns heran. Wir erwägen ernsthaft, bei weiterem Vorrücken des Bullen den Motor zu starten und im Zweifel querfeldein durch die Savanne mit den dichten Dornenbüschen zu entkommen. Glücklicherweise entspannt sich die Situation Sekunden später: die Elefanten haben anscheinend einen passablen Weg an dem Reisebus entlang gefunden.

 

Wir sind merklich erleichtert und versuchen den Adrenalinpegel ganz langsam wieder herunterzufahren. Seitdem meiden wir jegliche Anhäufung von Jeep`s und Bussen vollständig. Diese Situation hätte auch anders ausgehen können und so ein Toyota Hilux ist für einen ausgewachsenen Elefanten eher ein Spielzeug – im Zweifel macht der Euer Auto und Euch einfach platt!

 

 

Zebraherden jeglicher Größe bis zu mehreren hundert Tieren durchstreifen die Savanne des Etosha. Nur in der Herde haben sie eine Überlebenschance, wenn sie abwechselnd Ausschau nach Gefahren halten, während die anderen der Herde trinken oder fressen.

Dieses Photo ist wieder ein glücklicher Treffer, schon auf dem Rückweg, kurz vor dem Tor des Okaukuejo Camp`s stehen diese zwei Zebras allein im trockenen Gras und fressen. Wieder besonders an diesem Photo ist der ruhige und klare Hintergrund sowie die Pose des vorderen Zebras, welches sich auch von uns nicht aus der Ruhe bringen lies.

 

50 km östlich vom Okaukuejo Camp und heute allen Besuchers zugänglich liegt der sogenannte Geisterwald (Sprookieswoud). Es handelt sich um diverse Exemplare der Moringabäume (Moringa valifolia). Elefanten haben die Bäume im Laufe der Zeit stark beschädigt, da sie gern die Blätter und Zweige dieser Bäume fressen. Die bizarren Formen der vernarbten Stämme und Zweige sollen geisterhaft wirken und das tun sie auch.

 

 

Die Strecke bis zum Märchenwald ist zwar relativ lang, lässt sich jedoch mit einem Ausflug zu den nördlich gelegenen Wasserlöchern verbinden, von denen lediglich Okondeka noch Wasser führt.

Teilweise sind die Wasserlöcher ausgetrocknet, so wie z.B. Wolfnes, das trotzdem einen Besuch wert ist aufgrund des tollen Blickes auf die Etoshapfanne. Viele weitere Wasserlöcher wurden trockengelegt, um die Savanne vor einer Überweidung zu schützen, so auch der Grüne- und Geisterwald.

Die Region ist aus diesem Grund extrem trocken und wie bereits erwähnt tierarm. Dennoch lassen sich in dieser Region gerade Giraffen besonders gut und auch relativ häufig beobachten.

 

Der Geisterwald an sich ist leicht zu übersehen, wenn man nicht genau hinschaut. Geisterhaft war es bei unserem Besuch in jedem Fall. Infolge der Trockenheit und Hitze kokelte bzw. brannte der Boden in dieser Region. Die Erde war schwarz und hin und wieder stiegen kleinere Rauchwolken auf, umgekippte Bäume versperrten die Straße, sodass eine Weiterfahrt nur querfeldein möglich war.

Eine sehr einsame und surreale Erfahrung, vergleichbar mit der an der Skeleton Coast. Glücklicherweise haben wir ein geladenes Handy mit Empfang und ausreichend Wasser an Board, ansonsten wäre die Angst vor einem platten Reifen auf dem kokelnden und heißen Untergrund wohl noch größer gewesen...

 

 

Giraffen sind die graziösesten und anmutigsten Tiere unter den Vegetariern, Körperhaltung und Gesichtsausdruck sprechen Bände. Auch sie leben in Herden, bei Einzeltieren handelt es sich überwiegend um Jungbullen.

 

 

Besonders vorsichtig und wachsam sind Giraffen aufgrund ihrer Verletzlichkeit an Wasserlöchern. Zum Trinken müssen sie ihre Vorderbeine auseinanderspreizen bis sie die Wasseroberfläche erreichen - eine sehr verletzliche Lage, in die man sich am besten nur ohne Fressfeinde in der Nähe begibt.

 

 

Am zweiten Morgen haben wir uns für eine Sunrise Safari entschieden. Sonnenaufgang ist um 6 Uhr, d.h. Abfahrt aus dem Camp um 5 Uhr.

 

Immer wieder bin ich überrascht, wie gut die Guides sehen können. Sie erspähen häufig Tiere auf mehrere hundert Meter, die ich selbst mit dem Fernglas oftmals nicht finde. Außerdem wissen die Guides genau wo und wann welches Löwenrudel zuletzt gesichtet wurde – eine wichtige Information, da Löwen nur zu Sonnenauf- und untergang aktiv sind und den Rest des Tages oftmals verborgen im hohen Gras dösen.

 

 

Unser Guide fährt zielstrebig gen Norden in Richtung Wolfnes, mir gelingt ein spontanes Photo zum Sonnenaufgang aus dem Landrover - eines der Photos die ich mir bis heute gern anschaue.

 

An Okondeka angekommen ist es endlich soweit: wir sehen unsere ersten Löwen aus großer Distanz in freier Wildbahn! Das Männchen liegt abseits des Rudels faul in der Morgensonne, die Mähne glänzt rötlich und golden in der Morgensonne, das wird gedanklich ein super Photo. Leider ist die Realität anders: der stolze Löwe ist unscharf, trotz 600mm Brennweite. Ohne Einbein ist es wirklich schwierig, bei diesen Lichtverhältnissen ein scharfes Photo zu produzieren, ohne die ISO-Werte in das Unermessliche anzuheben. Na ja, Übung macht den Meister.

 

Nach 5 Minuten der Bewunderung kommen auch schon die ersten anderen Jeep`s und Busse von Camps außerhalb des Etosha, die gerast sein müssen, um diesen Ort in dieser Zeit zu erreichen. Augenscheinlich hat es sich herumgesprochen, dass es hier ein Löwenrudel zu sehen gibt.

Der Motor des Landrovers wird gestartet und unser Guide macht sich auf zur Weiterfahrt. Wir denken im Stillen „hoffentlich weiß er was er tut“ und natürlich weiß er es.

 

Wenige Kilometer hinter Okondeka entdecken wir sechs Löwinnen im goldenen Gras versteckt. Unser Guide klärt uns auf, dass die Löwinnen für die Jagd zuständig sind. Männliche Löwen jagen nur, wenn sie ohne Rudel sind.

Diese sechs Löwinnen beginnen gerade die Jagd. Eine weitere Löwin, die wir nicht sehen können, aber natürlich unser Guide, hat bereits ein Beutetier auserkoren und fängt an, die Beute in die Richtung der anderen Löwinnen zu treiben.

 

 

Auf ihrem Weg kommen die Löwinnen auf uns zu, überqueren die Straße und beginnen die Jagd auf der anderen Straßenseite in die weite Ferne

Die Selbstverständlichkeit der Kommunikation, die alle Tiere zur richtigen Zeit an den richtigen Ort führt, um die Jagd zum Erfolg zu führen, ist sehr beeindruckend - ebenso wie ihre muskulösen, sehnigen und geschmeidigen Körper, der absolute Überlebenswille in den Augen funkelnd.

 

 

Natürlich gibt es auch jetzt wieder einen Jeep, der besonders dicht an das Geschehen möchte -er überholt uns und parkt direkt vor unserem Wagen. Wenige Sekunden später erscheinen mehrere mindestens 800mm Objektive an den Fenstern und werden in entsprechende Halterungen in den Türen eingesetzt. Eine sich nähernde Löwin haben die Insassen allerdings übersehen und schrecken auf, als sie 2 Meter vom offenen Autofenster entfernt die Straße überquert. Klar wer durch 800mm schaut, der sieht nicht, was nah vor einem passiert - das hätte auch anders ausgehen können.

 

 

Nachdem die Löwinnen außer Sichtweite und wir absolut zufrieden mit dem Morgen sind, fährt uns unser Guide zu einem eingezäunten Rastplatz auf dem wir unser Frühstück mitten im Etosha Park einnehmen.

 

Den Rest des Tages verbringen wir nach einer kurzen Pause im Camp mit Tierbeobachtungen auf eigene Faust. Zum Sonnenuntergang begeben wir uns erneut nach Okondeka und hoffen darauf, das Löwenrudel noch ein Mal zu sehen - leider vergebens, so ist das eben in der „Wildnis“ (auch im eingezäunten Etosha).

 

Quelle: Googlemaps
Quelle: Googlemaps

 

Am nächsten Morgen führt uns die anstehende Etappe auf ca. 170 km östlich entlang der Etosha-Pfanne bis in das Camp Namutoni. Kredo der heutigen Etappe ist „der Weg ist das Ziel“. Neben dem Streckenhighlight, dem sogenannten „Etosha Lookout“, der freie Sicht auf die Etosha-Pfanne bietet, bietet die Strecke zuhauf die Gelegenheit zur Tierbeobachtung.

Trotz der nur 170 km langen Etappe kann die Dauer der Strecke, je nach Intensität der Tierbeobachtung gut 4 bis 6 Stunden dauern. Eine frühe Weiterreise vom Okaukuejo Camp bietet sich daher an, um am späten Nachmittag auch noch die Gegend um das Namutoni Camp erkunden zu können.

 

 

Subjektiv gefühlt ist die Gegend um das Okaukuejo Camp zur Zeit unseres Besuches deutlich tierreicher als am Namutoni Camp. Doch dies ist lediglich eine Momentaufnahme. Ein Wechsel des Camps innerhalb des Etosha Nationalparks bietet sich in jedem Fall an, um möglichst viel Gegend und Tiere zu sehen.

Darüber hinaus sind Teile der Strecke zwischen den Camps so weit entfernt, dass man sie nur bei einem Wechsel des Camps befahren wird. Natürlich sollte man auch im Namutoni Camp dem „Tierbuch“ entsprechende Aufmerksamkeit widmen, um besondere Beobachtungsstellen der vergangenen Tage gezielt ansteuern zu können.

 

Auf dem Weg in das Namutoni Camp gelingt mir eines meiner persönlichen Lieblingsbilder unserer Namibiareise. Um die Mittagszeit steigt die Temperatur erheblich, und alle Tiere suchen in der Mittagshitze den Schatten, der sich Ihnen bietet.

Häufig sammeln sich die Tiere im Schatten eines möglichst großen Baumes auf engem Raum. Dieses Bild zeigt eines Ansammlung von Antilopen mit einer Giraffe - besonders an dem Bild ist der Raubvogel in der Baumkrone und dass der Baum allein in der Steppe stand.

 

Es ist ein glücklicher Zufallstreffer und vollkommen ungeplant in 2 Sekunden entstanden. Bis heute freue ich mich jedoch jedesmal, wenn ich dieses Bild betrachte...

 

 

Das Camp Namutoni wurde ursprünglich um 1900 als Fort der kaiserlichen deutschen Schutztruppen erbaut und dient seit 1958 als Übernachtungsstätte für Touristen. Genauer gesagt befinden sich im eigentlichen Fort das Restaurant, eine Bar sowie ein Souvenir-Shop und Laden zum gemütlichen Ausklingen des Abends ein. Besonders schön ist der Sonnenuntergang auf einer der Bänke auf den Mauern der Forts.

Natürlich gibt es auch ein beleuchtetes Wasserloch, welches wesentlich kleiner ist als das des Okaukuejo Camps, aber auch wesentlich schöner durch die satte Begrünung und den Sonnenuntergang über dem Wasserloch. Leider ist es aber auch am Abend extrem mückenreich und so nur etwas für Hartgesottene ohne Angst vor Malaria.

 

Die eigentlichen Unterkünfte liegen außerhalb des Forts, sind geräumig, schön eingerichtet und haben ein herrliches Bad nebst Außendusche – ein angenehm geschätzter Luxus nach teilweise eher spärlichen Unterkünften der vergangenen Wochen.

 

Nach der Sundowner Tour auf eigene Faust genießen wir den Abend im und auf dem eigentlichen Fort des Camp Namutoni und lassen drei wirklich tolle und ereignisreiche Tage im Etosha Nationalpark Revue passieren.

 

 

Unsere letzte Etappe führt uns zum ca. 270 km entfernten Waterberg-Plateau bevor es wieder nach Windhoek geht und der Abschied von Namibia naht.

 

Quelle: Googlemaps
Quelle: Googlemaps

 

Der freistehende 1.900 m hohe „Wasserberg“ erstreckt sich über eine Länge von ca. 48 km und bildet auf der Spitze des Berges ein Plateau von ca. 8 bis 16 km Breite. Aufgrund der Lage inmitten einer ansonsten ebenen Savannenlandschaft fängt der Waterberg während der Regenzeit überproportional viel Niederschlag ab.

Aus diesem Grund eignet er sich insbesondere wegen der Isolation des Plateaus vom Rest der Umgebung und einer üppigen Fauna besonders gut für die Tierzucht und dieses führte zur Gründung des Waterberg Nationalparks. Ziel dieses isolierten Nationalparks ist der Schutz der Tierwelt dieser Region und die Ansiedlung neuer Tierarten. Heute leben hier u.a. die unterschiedlichsten Antilopenarten, Giraffen, Wasserbüffel und Spitzmaulnashörner, Warzenschweine und Paviane sowie einige Raubtierarten - bis auf Löwen.

 

Die hier lebenden Tiere werden bei Bedarf in Nationalparks und Game Reserves des ganzen Landes umgesiedelt. Eine Auswilderung ist dabei nicht notwendig, der Mensch greift hier nur mit der Schaffung künstlicher Wasserlöcher in das geschlossene Ökosystem ein.

 

 

Unsere sehr einfache Lodge befindet sich im NWR. Von NWR werden auch als einzigem Anbieter Touren auf das Waterberg Plateau angeboten, diese sind jedoch auch von Gästen externer Camps buchbar.

 

Die Gegend um die Camps ist von einer großen Pavianpopulation geprägt und diese Artgenossen sind nicht zu unterschätzen, da sie alles andere als dumm sind. Türen sind stets geschlossen und abgeschlossen zu halten wenn man keinen ungebetenen Besuch im Zimmer haben möchte.

 

Auch die Größe dieser Tiere ist nicht zu unterschätzen. Beim Heraustreten aus unserem Zimmer hatte ich eine Begegnung mit einem riesigen Pavianmännchen, das nur ein paar Meter neben unserer Tür eine Mülltonne durchwühlte. Beim Anblick der Größe dieses Tieres und seiner Zähne wird mir angst und bange – zum Glück interessiert sich der Pavian nicht für mich und ich kann mich aus meiner Schockstarre lösen...

 

Die Tiere auf dem Waterberg Plateau sind an Menschen nicht gewöhnt und dementsprechend scheu. Für diejenigen die gerade aus dem Etosha kommen ist die Tierbeobachtung deshalb eher enttäuschend. Dennoch ist das Plateau - insbesondere aufgrund der Fahrt hinauf und auf dem Plateau - einen Ausflug wert.

 

Schweren Herzens angesichts des nahenden Abschieds von Namibia machen wir uns am kommenden Morgen auf der Transitstrecke auf gen Süden bis in das ca. 330 km entfernte Windhoek um am Abend über Johannisburg nach Frankfurt zu fliegen.

 

Quelle: Googlemaps
Quelle: Googlemaps

 

Auf dem Weg halten wir jedoch noch in Okahandja, ein Tipp von Tommy aus Swakobmund. Hier werden in Holzbaracken am Straßenrand in Namibia und Botswana handgefertigte Holz- und Steinartikel angeboten. Zum einen ist die Auswahl riesengroß und zum anderen brauchen diese Menschen das Geld zum Überleben wesentlich dringender als die Shops und Boutiquen, in denen ansonsten landestypische Souvenirs angeboten werden.

 

Uns ist schon ein wenig mulmig zumute, als wir als einziges Fahrzeug auf den staubigen Sandplatz vor den Hütten gegenüber einer Tankstelle fahren und sofort zwei selbsternannte Parkplatzwächter auf uns zustürmen und uns wild einwinken - unbedingt notwendig auf dem vollkommen leeren Platz.

 

Wir sammeln all unsere Wertsachen zusammen und fassen uns ein Herz zum Aussteigen. Die Wächter werden anständig für ihre Bewachungsdienste entlohnt oder vielmehr für das nicht aufbrechen, klauen oder demontieren unseres Wagens. Kaum sind wir an den Hütten angekommen werden wir von einer Menschentraube umringt und jeder versucht, uns in seine Hütte mit den Holzschnitzereien zu locken.

 

Dennoch – es gibt überhaupt keinen Grund zur Angst und unsere anfängliche übertriebene Vorsicht ist absolut unbegründet. Wie bereits erwähnt, diese Menschen sind wirklich arm und können neben Geld wirklich alles zum Überleben gebrauchen. Wer auf dem Rückweg nach Windhoek an Okahandja vorbeikommt, der sollte einmal anhalten und Kleidung, Handtücher und insbesondere Schuhe, die er nicht unbedingt mit nach hause nehmen muss an diese Menschen verschenken. Besonders sinnvoll ist es, das Reisegepäck aus Kleidungsstücken zusammenzustellen, die sowieso aussortiert werden sollen und vor der Heimreise verschenkt werden können.

 

Der Kauf der Holzschnitzereien - die eine wirklich gute Qualität haben und auch in den Souvenirläden im Rest des Landes mit Gewinnaufschlag verkauft werden – gleicht einem Handelsbasar. Das erste Angebot des Verkäufers liegt gut und gern 100% über dem Ladenpreis. Sobald aber klar ist, dass Ihr die Marktpreise durchaus kennt und hart verhandelt, ist ein adäquater Preis unter dem Ladenpreis möglich. Darüber hinaus ist das Geld hier wie bereits erwähnt gut angelegt und hilft diesen armen Menschen ihr Überleben zu sichern.

 

Wir jedenfalls erstehen eine ca. 1,4 m hohe Holzgiraffe (Hummeldumm lässt grüßen!), auf die ich heute noch stolz bin, genauso wie auf den heldenhaften Rücktransport in Flugzeug und Bahn bis nach Hamburg. Vor unserer Weiterfahrt trennen wir uns noch von all unserem entbehrlichen Reisegepäck und machen uns glücklich auf die Restetappe.

 

 

Am frühen Nachmittag in Windhoek angekommen beschließen wir, unseren Mietwagen noch nicht am Flughafen abzugeben und die Restzeit am Flughafen zu verbringen, sondern erneut die Heinitzburg aufzusuchen, auf der wir unseren ersten so entspannten Abend in Namibia verbracht haben.

 

Auf der erhobenen Terasse mit Blick über Windhoek lassen wir unseren Urlaub bei einer guten Tasse Kaffee und Snacks Revue passieren. Auch gibt es auf der Heinitzburg saubere sanitäre Anlagen, in denen man sich in Ruhe frisch machen und für den Flug umziehen kann - ein Stück Luxus das nicht zu unterschätzen ist...

 

Es war ein unglaublicher Urlaub, in dem ich mein Herz an diese vielfältigen und bezaubernden Landschaften Namibias, die Ursprünglichkeit, Freiheit, Einsamkeit und deren Menschen verloren habe.

 

Um es mit den Worten von Tommy aus Swakobmund zu sagen: „Wer einmal einen Fuß in die Namib gesetzt hat, der wird wiederkommen und wer ein paar Schuhe im Sand der Namib durchgelaufen hat der wird bleiben.“ Für mich steht fest, ich werde wiederkommen, um wieder einen Fuß in den Sand der Namib zu setzen.

 

Doch vorerst steht im September 2014 erneut Namibia auf dem Reiseplan. Es geht in drei Wochen über 3800 km von Windhoek in den Norden bis in den Caprivi Streifen, weiter zu den Victoria Falls und nach Botswana in den Chobe Nationalpark, das Okavango Delta und die Nxai Pan...

 

Noch ein fotografischer Nachschlag – was mache ich auf meiner zweiten Afrikareise fotografisch anders? Obwohl ich der Überzeugung bin, dass weniger mehr ist und Technik nicht über die Qualität der Bilder entscheidet, so wiegt meine Ausrüstung auf der diesjährigen Reise erheblich mehr.

Leider gilt in der Wildlife-Photography: Brennweite ist fast alles. Hatte ich auf der ersten Reise 600mm zur Verfügung mit meinem Sigma 70-200 + 2xTelekonverter und Crop Body, so wird mich dieses Jahr ein 300mm Objektiv begleiten. So kann ich 300mm mit einem Crop Body und oder Telekonverter kombinieren und komme auf maximal 900mm. Natürlich wird es bei dem Gewicht und einer Brennweite von 600mm schwer, die Kamera ruhig zu halten und scharfe Fotos zu erzielen, weswegen ich mich zusätzlich auch für ein kleines Einbeinstativ entschieden habe.

 

Darüber hinaus habe ich mich für einen zweiten Body entschieden. Zum einen kann ein Body immer ausfallen oder der Sensor ist einfach infolge des allgegenwärtigen Sandes verdreckt, zum anderen nervt der Objektivwechsel. Frei nach „Murphy`s law“ ist immer das falsche Objektiv für die aktuelle Situation auf dem Body. Der Objektivwechsel kostet dann meistens so viel Zeit, dass die Situation vorüber ist.

 

Natürlich geht es auf so einer Reise nicht darum, jede Situation bildlich festzuhalten, aber man wünscht sich doch, gerade die zumeist spontanen grandiosen Bilder einzufangen und das ist mit zwei Bodies wesentlich einfacher und entspannter.

 

Weiterhin sind geführte Safaris im Camp Jeep immer ein guter Einstieg in unbekanntem Gelände. Ihr könnt Euch auf die grandiose Landschaft konzentrieren und lernt sogleich die Umgebung für spätere Touren im eigenen Jeep kennen. Auch ist es eine gute Entscheidung, die Safaris nicht ausschließlich durch den Sucher der Kamera zu erleben: nehmt die Landschaft wahr und genießt es, ihr werdet schnell lernen Situationen zu erahnen und im entscheidenden Moment ein Foto zu machen. Gerade hier sind sich die Wildlife- und die Streetphotography sehr ähnlich. Habt ihr ein aus Eurer Sicht tolles Foto nicht machen können, so hilft mir immer – eine gute Erinnerung ist um so viel besser als ein schlechtes Foto, also genießt diese Reise, es gibt genug Möglichkeiten Fotos zu machen.

 

Abschließend bleibt nur noch zu sagen, beladet Euch nicht mit Eurem gesamten Equipment um festzustellen, dass Ihr kurz vor dem Zusammenbruch steht und vollkommen unbeweglich seid, entscheidet Euch für das Minimum des Tages und macht das Beste daraus – viel Spaß!

 

 


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