reisebericht namibia reisen - bis ans „ende der welt“ zur skeleton coast nach terrace bay und wieder zurück ins damaraland zum twyfelfontein - teil VII

Die 390 km lange Etappe auf dem Pad C34 zur Skelettküste nach Terrace Bay zählt definitiv zu den Highlights Namibias - nicht wegen der Schönheit sondern vielmehr aufgrund der Einsamkeit, Irrationalität und den Naturgewalten, die einem die Unbedeutendheit des eigenen Seins mit einer Wucht vor Augen führt, die seinesgleichen sucht.

 

Es handelt sich definitiv um den merkwürdigsten und skurrilsten Ort auf der Welt, den ich besucht habe – ich nenne es für mich auch gern „das Ende der Welt“, weil es meinen Gefühlszustand an diesem Ort am treffendsten beschreibt. 

 

Der Sand der Namib-Wüste wird im Skelettküsten-Nationalpark überdeckt von einer leichten, schwarz oxidierten Sanddecke und erzeugt neben seiner Weite und Einsamkeit das Gefühl für das Alter der Erde. Während der Fahrt fühlen wir uns ein wenig wie Mad Max, nur das unser Auto (The Beast) nicht ganz so cool ist...

 

Quelle: Googlemaps
Quelle: Googlemaps

 

Unsere Fahrt führt uns auf dem mäßig guten Pad C34 gen Norden zum südlichen Eingang des Skelettküsten-Nationalparks, der mit seinen Totenköpfen an sich schon filmreif ist.

Das Gate schließt seine Tore bereits um 15 Uhr, da die Fahrt bis zur Terrace Bay zwei bis drei Stunden dauert, so dass nur so das Camp noch bis zum Sonnenuntergang im Hellen erreicht werden kann. Die Anfahrt zum Gate dauert von Swakobmund ca. 1,5 und von Walvis Bay ca. 2 Stunden. Alle die am Anreisetag noch eine morgendliche Exkursion planen, sollten dies unbedingt im Hinterkopf behalten, um am Nachmittag nicht vor einem verschlossenen Gate zu stehen.

 

 

Verschlossen ist das Gate bei unserer Anreise nicht, dafür aber verlassen. Die normale Prozedur sieht eine Anmeldung nebst der Entrichtung der Parkgebühren für Mensch und Gefährt vor. Angenehmer Nebeneffekt ist, dass man im Park registriert ist und hoffentlich gesucht wird, wenn der Park nicht am angegebenen Ausreisetag verlassen wird.

In unserem Fall stellte sich diese Frage nicht und führt sogleich zu einem leicht flauen Gefühl in der Magengegend.

 

Geologisch gesehen gehören weite Teile der Skelettküste mit einem Alter von bis zu 1,5 Milliarden Jahren (ja richtig – ich habe mich nicht verschrieben) zu den ältesten Landschaftsformen auf unserer Erde.

Der an der Westküste des Atlantischen Ozeans und damit direkt an der Skelettküste verlaufende sehr kalte Benguelastrom führt zu einer unberechenbaren Brandung, starken Strömungen und Nebel und stellt die Seefahrt bis heute vor große Herausforderungen.

 

Im Laufe der Jahrhunderte haben sich so Hunderte von Schiffswracks in unmittelbarer Küstennähe angesammelt. Zumeist sind diese äußerst schwer zu erreichen, wohl aber für den Glücklichen, der es geschafft hat eine einmalige Fotoszenerie.

Wir haben uns ganz allein, ohne zweites Auto, nicht über die unwegsamen, schlammigen und sehr matschigen Pads bis zu den Wracks getraut. Wer mit dem Gedanken spielt sollte definitiv entsprechend ausgerüstet sein, dies schließt auch eine mögliche Übernachtung im Auto unter widrigen Bedingungen ein.

 

Eine Alternative stellen die bereits beschriebenen Überflüge über die Skelettküste und ihre Schiffswracks von Swakopmund aus dar. Ein Flug, der weiterhin ganz oben auf meiner Wunschliste steht.

 

Der Name der Skelettküste stammt im Übrigen wohl von den zahlreichen Schiffs- und Fischskeletten die dort zu finden sind. Insbesondere sind es Walskelette, da die Wale mit dem Benguelastrom aus der Antarktis gen Norden schwimmen und sich in dem nährstoffreichen, da sehr kalten Wasser ernähren.

 

Auch etliche menschliche Skelette sind an der Skelettküste beerdigt. Überlebende Schiffbrüchige sind auf der Suche nach Wasser entweder nach Norden oder Süden gewandert, jedoch selten nach Osten – dies hätte ihre Überlebenschancen gesteigert, da der Wüstenstreifen hier nur etwa 60 km breit ist – leider sind die meisten der extremen Dürre zum Opfer gefallen.

  

 

Auf halbem Weg nach Terrace Bay kommen wir zum Kreuzkap (Cape Cross) an dem sich eine der größten Seelöwenkolonien des südlichen Afrikas befindet.

 

Das Kreuzkap wurde 1884 vom portugisieschen Seefahrer Diogo Cão durch das Aufstellen eines Steinkreuzes für die portugiesische Krone in Besitz genommen. Eigentliches Ziel seiner Expedition war die Entdeckung eines Seeweges nach Indien und zu den Gewürzinseln entlang der Westküste Afrikas.

 

 

Wer sich von der Seelöwenkolonie niedliche Seelöwen verspricht, der sei an dieser Stelle ernüchtert. Der Gestank raubt einem je nach Windrichtung fast die Sinne und die Natur zeigt sich an diesem Punkt der Welt gnadenlos. So liegen diverse verendete Seelöwenbabykadaver verwesend im Sand.

Dennoch ist ein Besuch der Kolonie nicht zuletzt aufgrund der Unberührtheit und Größe empfehlenswert. 

 

 

Mit dem Verlassen der Seelöwenkolonie liegen noch gute 100 km Strecke vor uns bis zu unserem nördlichen Ziel der Terrace Bay, der einzigen Siedlung in der Skelettküste. Normalerweise wird dieser Ort nur von Fischern aufgesucht, dementsprechend einsam ist die Gegend. Auf der gesamten Fahrt begegnen uns nur zwei Fahrzeuge und neben der Erkenntnis, am „Ende der Welt“ angelangt zu sein beschleicht uns eine leichte depressive Grundstimmung angesichts der endlosen Weite der Namib, bedeckt mit einem schwarzen Schleier oxidierten Sandes.

 

Kurz vor unserem Ziel verschlechtert sich die Beschaffenheit des Pads deutlich und ist auf kurzen Abschnitten mit dem Tiefsand der Sossusvlei vergleichbar. Wer nicht mit einem Allradfahrzeug unterwegs ist, sollte Abstand nehmen von dem Gedanken Terrace Bay zu besuchen.

 

 

Wie aus dem Nichts erscheint plötzlich am Anstieg eines leichten Hügels unser Ziel und begrüßt uns - wie sollte es anders sein - mit einem anständigen Totenkopf.

 

Die Siedlung besteht aus einer Ansammlung vereinzelter flacher Häuser, von weitem könnte dieser Ort auch als verlassene Siedlung durchgehen.

 

 

Unser Camp besteht aus einzeln stehenden 60er Jahre „Hütten“. Der Empfang ist überaus freundlich und wir erfahren, dass wir unbedingt länger als eine Nacht bleiben müssen, aber auch, dass es hier nichts zu sehen gibt und normalerweise nur Fischer diese Region aufsuchen.

Die Bilder im Empfangsraum bestätigen dies eindrucksvoll anhand von Fischern, die mit Ihrem Fang abgebildet sind – die Fische oftmals genauso groß ist wie der Fischer selbst.

 

Irgendwie beschleicht uns ein komisches Gefühl, wo wir hier wohl im wahrsten Sinne des Wortes gestrandet sind. Auch das Betreten unserer Unterkunft lässt uns nichts Besseres vermuten. Das Wort Hütte trifft es nicht richtig – „Baracke“ ist zutreffender -und das Gefühl, dass diese Behausung beim nächsten Sturm zusammenbricht. Die Tür ist nicht abschließbar und das Duschen stellt sich als todesmutiges Abenteuer dar aufgrund der abgebrochenen, messerscharfen Seifenschale.

Immerhin sind die Betten trocken, Schimmel- und anscheinend von Wanzen frei. Na ja, was soll`s, wir haben im Fall der Fälle immer noch unser Beast zum Übernachten - das ist auch abschließbar.

 

Mit gemischten Gefühlen machen wir uns am späten Nachmittag auf zum 200 Meter entfernten Atlantischen Ozean mit seiner atemberaubenden Brandung und uns hefig entgegen schlagendem Wind – diese Kraft und Wildheit ist beeindruckend und uns Europäern fremd.

Die großen, vom Wasser rund geschliffenen Steine, angespülte Teile von kleineren Skeletten und diverses Strandgut zeugen von der Kraft des Ozeans bei Sturm, der uns glücklicherweise nicht ereilt.

 

 

Nach einem versöhnlichen Nachmittag an der Brandung machen wir uns auf zum Abendessen in den Speiseraum und sind überwältigt von der Historie dieses Platzes. Das Innere des Raumes ist mit weiß gestrichenen Spanholzplatten verkleidet, auf denen sich die Gäste der Vergangenheit aus allen Teilen der Welt mit Zeichnungen und Sprüchen verewigt haben und von ihren Erlebnissen hier am „Ende der Welt“ berichten.

Das Menü ist übrigens vorzüglich, wahrscheinlich das beste Essen der gesamten Reise und das einzige Camp, welches mich von vornherein, aufgrund der Buchung, als Vegetarier identifiziert hat und mir als einzigem Gast ein extra vegetarisches Menü auftischt.

Darüber hinaus sind die Menschen an diesem verlassenen und rauen Ort so unglaublich fröhlich und freundlich, dass sie uns voll und ganz für sich gewinnen.

 

Gut gelaunt und wesentlich entspannter gehen wir früh zu Bett und sind ein wenig „stolz“ diesen Ort neben den Fischern, Outbackern und Aussteigern mit ihren Satellitentelefonen und für schweres Gelände ausgerüsteten Fahrzeugen besuchen zu dürfen.

 

Dennoch sind wir am nächsten Morgen ein wenig erleichtert diese trostlose Landschaft der Skeleton Coast verlassen zu können. Es ist mir bis heute ein Rätsel, wie die hier in der Einsamkeit lebenden Menschen sich diese Fröhlichkeit und Freundlichkeit bewahren können.

 

Zu unserem Glück gibt es eine in einem Schuppen versteckte Zapfsäule und der Dieselvorrat ist noch nicht aufgebraucht, so dass unserer Weiterreise in das Damaraland nichts mehr im Wege steht. So machen wir uns auf den Weg zum 215 km entfernten Twyfelfontein mit seinen weltberühmten Steingravuren.

 

Die Erfahrung der Skeleton Coast wächst immer noch mit zunehmendem Abstand zum eigentlichen Besuch. Es ist eine dieser Erfahrungen, die ich um nichts in der Welt missen möchte. Schade ist, dass unser Reiseanbieter die Skeleton Coast der unserem Besuch nachfolgenden Saison aus dem Programm genommen hat. An uns lag es jedenfalls nicht! Fakt ist aber, dass es sich definitiv nicht um einen „Wellnessaufenthalt“ handelt.

 

Quelle: Googlemaps
Quelle: Googlemaps

 

Mit dem Verlassen des Skelettküsten-Nationalparks auf dem Pad C39 über das östliche Tor zeigen sich erste behutsame landschaftliche Veränderungen, die Namib weicht einem trockenen Steppenland, dem Damaraland welches den Namen seiner Ureinwohner den Damara trägt.

 

 

Wir erfreuen uns an der gesamten Palette der Braun- und Rottöne nebst des spärlichen Grüns vereinzelter Büsche nach den Gelb- und Schwarztönen der Namib.

 

 

Von ersten Anzeichen tierischen Daseins zeugen Straßenschilder der besonderen Art – hier kreuzen Elefanten die Straße und keine Rehe wie bei uns in Deutschland. Natürlich bin ich mir des Touristencharakters dieses Fotos bewusst - aber man darf auch mal typischer Tourist sein und gerade in diesem Moment sind wir es besonders gern.

 

Leider sehen wir auf der Straße nur den Elefantendung der Wüstenelefanten und keine Elefanten selbst. Die Wüstenelefanten des Damaralandes sind im Übrigen kleiner als ihre verwandten Nachbarn im Etosha Nationalpark.

 

Auch das Damaraland ist extrem dünn besiedelt, vereinzelt finden sich kleine „Farmen“ in der kargen Landschaft, die dieser einen Ertrag abzutrotzen versuchen.

 

 

In unserer Lodge angekommen freuen wir uns sehr über die einfachen Annehmlichkeiten des Lebens nach der vergangenen Nacht an der Skelettküste.

 

Kaum angekommen machen wir uns in großer Hitze auf den Weg, um die Felsmalereien und Felsritzungen in der Gegend von Twyfelfontein zu besichtigen, die seit 2007 zum UNESCO Weltkulturerbe gehören und von denen die ältesten auf 24.000 Jahre v. Chr. geschätzt werden.

 

 

Die Felsritzungen zeigen die typische Flora und Fauna in der Region Twyfelfontein, aber auch wesentlich weiter entfernt lebende Tiere, wie z.B. die Robben des ca. 100 km entfernten Atlantischen Ozeans.

Darüber werden auch Lagepläne von Wasserstellen gezeigt. Besondere bemerkenswert sind die Gravuren vor dem Hintergrund, dass die Ureinwohner Nomaden waren, aber immer wieder zu diesen Gravuren zurückkehrten, um von ihnen zu lernen oder ihren Kindern Wissen zu vermitteln.

 

Neben den Felsgravuren befinden sich in der Gegend auch vor ca. 120 Millionen Jahren entstandene Basaltsäulen, die häufig auch als Orgelpfeifen bezeichnet werden und der verbrannte Berg mit einem Alter von ca. 200 Millionen Jahren; beide entstanden durch eindringende Lavamassen.

 

Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Felsgravuren historisch bedeutend und faszinierend sind, aber nicht unbedingt ein Highlight der Reise darstellen.

 

Meine Empfehlung ist eine Safari durch die zumeist ausgetrockneten Flußbetten auf der Suche nach den Wüstenelefanten in freier Wildbahn und dem Genießen der Natur des Damaralandes in einer angenehmen Lodge, wie z.B. der Vingerklip Lodge, oder auf einem der Zeltplätze, bevor es weitergeht in Richtung Etosha-Nationalpark oder zu den Himba im äußersten Norden Namibias.

 

 

So halten wir es auch, bevor wir am kommenden Morgen weiterfahren zu unserem nächsten Ziel dem Etosha Nationalpark - immer wieder mit Ausblick auf riesige Termitenbauten am Streckenrand.

 


Dies könnte auch interessant sein für Dich

 

Planst Du eine Reise in das südliche Afrika - nach Namibia, Botswana, Südafrika oder Simbabwe, dann findest Du hier meine Reiserouten, vielleicht ist ja auch die richtige Route für Dich dabei...



Reisebericht blog fotografie Namibia  Selbstfahrerreise Skeleton Coast, Terrace Bay Damaraland  Twyfelfontein