der lange weg vom klicken des Auslösers bis zum einschlagen des Nagels in die wand - die eigentliche geburtsstunde eines Bildes...

Vom klicken des Auslösers bis zum Einschlagen des Nagels in eine Wand. Bis ein Bild am Monitor Realität an einer Wand wird, kann es manchmal ein langer Weg sein und zudem kommt im digitalen Zeitalter leider immer seltener vor.

 

 

Wenn doch, dann gibt es beim Druck allerdings einiges zu beachten. Ansonsten könnte die Frustration bei der ersten Inaugenscheinnahme des Resultates groß sein, insbesondere wenn es sich um einen größeren und teureren Druck handelt.

 

Bevor ich das Bild zum Abziehen gebe, nehme ich meine Bearbeitung in Lightroom mit einem kalibrierten Monitor vor - hierfür verwende ich einen Spyder4pro. Allerdings gibt auch ein kalibrierter „Durchschnittsmonitor“ nicht unbedingt ein farbechtes Bild wieder.

Genau aus diesem Grund ist ein Drogeriefotoabzug mein erster Schritt. Sofort ist feststellbar, ob der Abzug von der Bildschirmansicht abweicht, insbesondere eine Über- oder Unterbelichtung sowie eine Farbverfälschung vorliegt.

Farbverfälschungen stelle ich nur sehr selten fest, Über- oder Unterbelichtungen stellen allerdings eher die Regel, als die Ausnahme dar. Dies hängt damit zusammen, dass ich häufig Langzeitbelichtungen mit starkem Kontrastumfang sowie zu Zeiten des Sonnenauf- oder untergangs aufnehme.

Bilder die ich bei Tageslicht aufgenommen habe, zeigen nur sehr selten zu Abweichungen zwischen dem realen Foto und der Bildschirmansicht.

 

Drogeriefotoabzug
Drogeriefotoabzug

 

In einem zweiten Schritt suche ich mir den Fotoanbieter meines Vertrauens im Internet oder, soweit möglich, um die Ecke und lasse einen Probedruck im Kleinstformat auf Originalmaterial erstellen.

Die Druckerei um die Ecke bietet nicht zu vernachlässigende Vorteile. In den meisten Fällen ist ein Andruck auf dem Originalmaterial, z.B. Leinwand, bereits im Endpreis inklusive.

Bei Acrylglas reicht auch der Abzug auf Fotopapier, es sollte jedoch nicht vergessen werden diesen unter ein Stück Acrylglas zu halten, da der Acryllook ein anderer als der des Fotoabzugs ist.

 

Solltet Ihr, aus welchen Gründen auch immer im Internet bestellen (z.B. gibt es hier die Möglichkeit eines Holzrahmens um das Foto oder die Spezialharzveredelung), solltet Ihr unbedingt immer die für Eurer Material geeigneten ICC-Profile des Anbieters herunterladen (Zum Thema ICC Profile und Abweichungen findet Ihr hier einen weiteren Blog).

Sind diese nicht online zum Download eingestellt, so hilft häufig ein kurzes Mail im Kontaktformular. Selbst habe ich bis jetzt bei White Wall, Saal Digital, seen by und Photocircle bestellt. White Wall wird häufig die beste Qualität und größte Auswahl zugeschrieben, allerdings meistens auch der höchste Preis.

 

Persönlich sehr gute Erfahrungen habe ich mit Photocircle in Berlin gemacht. Trotzdem ein nicht unerheblicher Teil des Verkaufspreises eines jeden Bildes einem wohltätigen Zweck zu Gute kommt, liegt der Preis teilweise deutlich unter dem von White Wall. Qualitativ sind die Bildresultate absolut hochwertig, dafür ist die angebotene Materialbandbreite eingeschränkter als bei White Wall und Ihr müsst die ICC Profile noch erfragen.

 

Miniaturdruck auf Originalmaterial - Fotoabzug hinter Acrylglas
Miniaturdruck auf Originalmaterial - Fotoabzug hinter Acrylglas

 

Ein Probedruck im Kleinstformat auf Originalmaterial mit entsprechendem ICC Profil ist meines Erachtens ein Muss bei großen und höherpreisigen Bildern. Es ist immer wieder verwunderlich, wie sich ein vorher optisch ausgewogenes Bild durch die Aktivierung eines ICC Profils verändert. Doch so unterschiedlich die zu bedruckenden Materialien sind und hier geht es nicht nur z.B. um Leinwand, Fotoabzug oder Alu-Dibond, sondern auch und insbesondere um unterschiedliche Fotopapiere.

 

Erstaunt war ich auch über das Resultat des Probedrucks hinter Acrylglas und genauso froh, dass ich den Preis für den Probedruck in Kauf genommen habe. Der Drogerieabzug war im ersten Schritt deutlich unterbelichtet, also habe das Bild unter Zuhilfenahme der Gradiationskurve im Probedruck aufgehellt und unterschätzt, dass das Bild unter Acrylglas zusätzlich heller wirkt. Das Ergebnis ist im Endeffekt viel zu hell in den tiefen Tönen und aus einem Dunkelgrau wurde teilweise ein Dunkelgrün (Ecken unten links und rechts).

 

endgültiges Resultat, echter Fotoabzug hinter Acrylglas (160x90 cm). Das Foto wirkt hier sehr dunkel, ist es bei realer Betrachtung aber nicht.
endgültiges Resultat, echter Fotoabzug hinter Acrylglas (160x90 cm). Das Foto wirkt hier sehr dunkel, ist es bei realer Betrachtung aber nicht.

 

Also habe ich in einem dritten Schritt erneut so lange anhand der Gradiationskurve nachjustiert, bis ich glaubte das richtige Ergebnis erreicht zu haben. Nicht, dass das Bild nicht bereits in Schritt zwei - nach Verwendung und Anpassung an das ICC Profil - ausgewogen am Bildschirm gewirkt hat; dennoch sind digitale Welt und realer Druck noch zwei Paar Schuhe.

 

Umso zufriedener bin ich mit dem Endergebnis. Es hat lange gedauert, da aus einem drei Schritte geworden sind und natürlich vergeht Zeit nach jeder Anpassung bis zur Lieferung. Dennoch ist bei einer Bestellung im Internet und trotz Verwendung eines kalibrierten Monitors und des korrekten ICC-Profils nicht gewährleistet, dass das reale Bild dem von Euch auf dem Monitor gesehen Foto entspricht.

 

Aus diesem Grund drucke ich, wenn möglich, immer in der Druckerei meines Vertrauens um die Ecke. Bietet diese das gewünschte Material (z.B. Rahmen) nicht an, so nehme ich die drei Schritte und die zusätzlichen Kosten des Probedrucks gern in Kauf und erfreue mich am Endresultat.