das diamantensperrgebiet wilder und geschichtsträchtiger südwesten namibias - eine zeitreise im sand und wind in das zwangiste  Jahrhundert… (teil I)    

Das Diamantensperrgebiet – unendliche Weite – genauer gesagt 26.000 km² Sand soweit das Auge reicht, starker bis beißender Wind und feinste Sandkörner in der Luft die alles durchdringen und in jede Pore des Körpers eindringen.

 

2008 als Sperrgebiet Nationalpark gegründet, erstreckt sich das heutige Areal an der Westküste Namibias vom Oranje im Süden bis zum Namib-Naukluft Nationalpark im Norden.

 

Exakt 100 Jahre nachdem das Gebiet 1908 von der Reichsregierung zum Diamantensperrgebiet erklärt worden ist, wurde das Gebiet 2012 umgetauft in Tsau-Khaeb-Nationalpark.

 

Durch die Abgeschiedenheit des Sperrgebietes konnte ein einzigartiges Ökosystem im Südwesten Namibias bewahrt werden, optimal angepasst an die ariden Regionen der südlichen Namib.     

 

Bekannteste Station an der Grenze zum Nationalpark ist die Geisterstadt Kolmanskuppe, die ihren Bewohnern vor rund 100 Jahren bereits alle  erdenklichen Annehmlichkeiten des modernen Lebens wie Badewannen, Grammophone, Kühlaggregate, Schwimmbad, Kegelclub und Theater bot.

 

Darüber hinaus ist Kolmanskuppe die einzige Geisterstadt, die als Zwischenstopp in ein paar Stunden erkundet werden kann und befindet sich darüber hinaus direkt an der geteerten B4 ca. 20 km vor Lüderitz. Permits sind direkt am Eingangstor zu erwerben (NAM$ 150.00 - Führungen Montag bis Samstag 09:30 Uhr und 11:00 Uhr, Sonn- und feiertags 10:00 Uhr).

 

Colmanskop ghost town Namibia
Colmanskop ghost town Namibia

 

Ab 13 Uhr ist Kolmanskuppe für Tagesbesucher geschlossen. Ausnahmegenehmigungen, insbesondere für Fotografen, gibt es in Lüderitz bei Lüderitz Safaris & Tours zu erwerben. Beachtenswert ist, die Nachmittage (insbesondere im Sommer) sind häufig von Sandstürmen geprägt und eignen sich nur sehr eingeschränkt zum Fotografieren, von der Sandstrahlung für Mensch und Material mal ganz abgesehen.    

 

Source: www.googlemaps.com
Source: www.googlemaps.com

 

Neben Kolmanskuppe als „Touristenatraktion Nummer 1“ können auch Touren in das südliche und nördliche Sperrgebiet unternommen werden, z.B. eine südliche Tagesstour zum 55 km entfernten Bogenfels.

 

Diese Art von Tour ist sehr exklusiv, da ein Besuch dieser Orte bis heute es nur ca. 1.000 Besuchern pro Jahr vergönnt ist. Nur wenige Konzessionäre besitzen die Erlaubnis Exkursionen in dieses Gebiet anzubieten und durchzuführen.    

 

panorama - diamant restricted area Namibia
panorama - diamant restricted area Namibia

Eine längerfristige Planung im Voraus ist unabdinglich um das Rotkop Gate, dem Eingangstor in das Sperrgebiet, zu passieren. Notwendig ist eine Sondergenehmigung, deren Beantragung spätestens 6 Werktage im Voraus zu erfolgen hat und für die eine gültige Kopie des Reisepasses einzureichen ist.

 

Touren sind direkt buchbar bei Lüderitz Safaris & Tours oder Carsten Möhle von bwana. So ganz preiswert ist das Vergnügen nicht, den Preis aber allemal wert und hängt von der Zahl der Teilnehmer ab. Es sind zwischen N$1.750 und N$ 3.500 zu veranschlagen. Diese Bogenfelstour in das Diamantensperrgebiet habe ich gebucht, doch was ist das eigentlich dieses Diamantensperrgebiet und warum sollte man dahin wollen?    

 

Das Diamantensperrgebiet und wie alles begann...

 

Der Ausbau der Bahnstrecken wurde Anfang des zwanzigste Jahrhunderts in Deutsch-Südwestafrika vorangetrieben. 1905 wurde ein Teilstück zwischen der Hafenstadt Lüderitz und der Siedlung Aus fertiggestellt sowie die Siedlung Kolmanskuppe an der Bahnstrecke gegründet. An diesen verlassenen Ort wurde 1907 der Eisenbahnbeamte August Stauch versetzt.

 

Stauch war verantwortlich für einen 9 km langen Streckenabschnitt namens Grasplatz. Verantwortlich bedeutete Schienen von Sand frei und die Strecke befahrbar zu halten. Keine leichte und definitiv keine motivierende Tätigkeit inmitten der Namib Wüste, dem übermächtigen Kontrahenten aus Sand und Wind ausgeliefert.    

 

Old town Pomona , diamant restricted area Namibia
Old town Pomona , diamant restricted area Namibia

 

Ursprünglich wurde Stauch von der Reichbahn aufgrund seiner Pollenallergie in die Namib versetzt. Offensichtlich dass im Sand der Namib die Pollenbelastung ganzjährig 0% beträgt, selbst an einem Platz mit dem Namen Grasplatz, an dem ein paar vereinzelte Wüstenpflanzen wuchsen.

 

Im April 1908 machte Stauchs Gehilfe Zacharias Lewalla einen besonderen Fund in Form eines funkelnden Steines. Stauch hatte unmittelbar einen Verdacht, der sich nach einem Ritztest am Glas seiner Armbanduhr erhärten sollte.

 

Sofort machte sich Stauch auf in das nördlich gelegene Swakopmund, um seinen Anfangsverdacht von einem dort lebenden Geologen bestätigen zu lassen. Er hatte Recht, es handelte sich um einen Diamanten.

 

Stauch kündigte sein Angestelltenverhältnis mit der Deutsche Reichsbahn und unternahm kurzfristig eine Exkursion in die Namib, um möglichst viele Claims in der Nähe von Kolmanskuppe abzustecken. Die zugehörigen Schürflizenzen erwarb Stauch bei der Deutschen Kolonialgesellschaft für Südwestafrika während eines Urlaubes in Deutschland.    

 

Colmanskop ghost town Namibia
Colmanskop ghost town Namibia

 

Ein paar Monate später wird der Diamantenfund auch aus Deutschland bestätigt und die Reichsregierung erklärt daraufhin einen 100 Kilometer langen und 300 Kilometer breiten Küstenstreifen zum Sperrgebiet, um das alleinige Schürfrecht wahrzunehmen.

 

Stauch hat zu diesem Zeitpunkt bereits seine Claims gesichert und Minengesellschaften gegründet. Bereits 1910 operierten 63 Diamantengesellschaften in Lüderitz und 1912 deckten die Diamantenfelder von Kolmannskuppe 20 % der Weltmarktproduktion ab.

 

Spätestens 1919 wurden jedoch die Diamantenlager um Lüderitz für erschöpft erklärt. Die Nutzungsrechte wurden an Ernst Oppenheimer verkauft. Er gründete die „Consolidated Diamond Mines of South West Africa“ dehnte das Diamantenabbaugebiet weiter nach Norden und Süden aus. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde das Unternehmen von der De Beers Gruppe übernommen.

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Colmanskop ghost town Namibia
Colmanskop ghost town Namibia

 

Stauch versuchte jedoch auch neben dem Diamantenboom seinen Wohlstand weiter zu mehren und investierte in vielfältige Unternehmen in Deutsch-Südwestafrika und Deutschland, verlor jedoch sein gesamtes Vermögen in der Weltwirtschaftskrise 1931 und verstarb 1947 verarmt in seinem Geburtsort Ettenhausen.

 

Nachdem die Namensfrage nun geklärt und der Diamantenhype im wilden Südwestafrika angedeutet ist, stellt sich die Frage. Wie kamen die Diamanten eigentlich in den Sand der Namib?    

  

Wie kamen die Diamanten in die Namib?

 

Der Urspung der namibischen Diamanten findet sich in den Drakensbergen an der Grenze von Südafrika und Lesotho.

 

Diese Berge entstanden vor ca. 180 Millionen, als der Urkontinent Gondwana auseinanderbrach und Südafrika viele aktive Vulkane zählte. Damit Diamanten entstehen können, müssen Druck und Hitze groß genug sein, dies ist der Fall in mehr als 150 Kilometern Tiefe.

 

Durch die Vulkanschlote in den Drakensbergen gelangten Diamanten an die Erdoberfläche und es entstand eines der reichsten Diamantenvorkommen. Der Oranje-Fluss, dessen Quelle die Drakensberge sind, hat diese ausgewaschen und das Gestein zu Sand geschmirgelt.    

 

Colmanskop ghost town Namibia
Colmanskop ghost town Namibia

 

Der Sand, nebst Diamanten, wurden vom Oranje mehr als 2000 km über Millionen Jahre bis zur Atlantikküste gespült. Von der Meeresströmung des Benguelastroms nach Norden transportiert, haben sich der Sand und die Diamanten entlang der Küste, in der heutigen Namib, abgesetzt.

 

Als der Atlantik sich zurückzog, blieben Muscheln und Edelsteine zurück. Wind und Wellen brachten die Steine mühsam an die Oberfläche und sie verstreuten sich langsam im Sand der Namibwüste.

 

Nur die lupenreinsten haben den weiten Weg bis in die Namib geschafft ohne zu zerbrechen. Aus diesem Grund gelten Namibias Diamanten als besonders hochwertig und werden überwiegend in der Schmuckproduktion verwendet.

 

Zurück zum Geschehen nach Kolmanskuppe - die erste Siedlung des Diamantenrausches und ein Ort, der für jeden, der nach Lüderitz reist, einfach zu erreichen ist und definitiv noch einen Besuch verdient.

 

Kolmanskuppe

 

Kolmanskuppe wuchs im Zenit des Diamantenrausches um 1909 zur wohlhabendsten Kleinstadt Afrikas heran.

 

Es fehlte den Einwohnern an fast nichts, so gab es, neben der Bäckerei und Metzgerei über eine Limonaden- und Sodawasserfabrik bis zur Grundschule, Polizeistation, Postamt und Krankenhaus auch Luxus- und Vergnügungseinrichtungen, wie einem Freizeitzentrum mit Casino, Turnhalle, Tanzsaal, Kegelbahn und ein Theater.    

 

Colmanskop ghost town Namibia
Colmanskop ghost town Namibia

 

Das Krankenhaus war das erste mit einem Röntgengerät ausgestattete Krankenhaus und suchte seinesgleichen im südlichen Afrika. Dieses Röntgengerät diente allerdings nur sekundär medizinischen Zwecken, primär wurde es angeschafft um Diamantendiebe zu identifizieren, die Diamanten in ihrem eigenen Körper zu schmuggeln versuchten.

 

Bevor das Arbeitsverhältnis eines jeden Einheimischen endete, wurde dieser genötift zwei Tage lang Rizinusöl zu trinken, um sicherzustellen, dass eventuell zu schmuggelnde Diamanten definitiv vorher wieder ausgeschieden wurden.

 

Eine besondere Herausforderung zu dieser Zeit stellte die Wasserversorgung der zahlreichen Siedlungen inmitten der Namib dar. Süßwasser musste anfangs aus weit entfernten Regionen in die Dörfer geleitet werden. Zusätzlich wurde Wasser auf Schiffen aus Kapstadt importiert, bevor eine Meerwasserentsalzungsanlage in Betrieb genommen wurde und so den Wasserbedarf deckte.    

 

Colmanskop ghost town Namibia
Colmanskop ghost town Namibia

 

Die Siedlungen wurden anhand eines eigens in Lüderitz errichteten Elektrizitätswerks mit Strom versorgt. Es heißt, zu dieser Zeit war es das leistungsfähigste Elektrizitätswerk der Südhalbkugel.    

 

Colmanskop ghost town Namibia
Colmanskop ghost town Namibia

 

Seine wohl größte und erstaunlichste Entdeckung machte Stauch in der Silvesternacht 1908. In einer Senke lagen Diamanten über den Boden verstreut, Schürfen war deshalb nicht notwendig. Die Arbeiter brauchten lediglich mit Beuteln und Pinzetten über den Boden zu kriechen und die Diamanten einzusammeln. Stauch selbst, so erzählt man sich, habe auf dem Boden sitzend und in Armreichweite 37 Diamanten.

Diese Senke wurde später als das Märchental bekannt, da die auf dem Sand liegenden Diamanten im Mondlicht wie in einem Märchen aus tausend und eine Nacht funkelten. Später benannte Stauch das Märchental um in das Idatal, nach dem Namen seiner Frau Ida.

 

Trotz oder gerade wegen des märchenhaften Diamantensegens war die soziale Hierarchie in Kolmanskuppe strikt und deutlich sichtbar. Auf einer Anhöhe, über der eigentlichen Siedlung, stehen stattliche Jugendstilvillen mit Giebeldächern und verglasten Veranden wohnte z.B. das Management der Minengesellschaften. Der Mittelstand hingegen bewohnte einfache Häuser und die afrikanischen Arbeiter waren in einfachen Baracken untergebracht.

 

Nach dem ersten Diamantenhype und dem Abernten der Diamanten an der Oberfläche, wurde ca. 30 km südlich von Kolmanskuppe Elisabeth Bay gegründet. Hier wurde die Produktion industrialisiert, diamanthaltiger Sand und Kies wurden auf Güterwaggons nach Elisabeth Bay transportiert, um dann in rotierende Trommeln gefüllt, gesiebt und gewaschen zu werden. Das hierfür benötigte Wasser wurde direkt dem Atlantik entnommen.    

 

Manual centrifuge in the old mine of Pomona, diamant restricted area Namibia
Manual centrifuge in the old mine of Pomona, diamant restricted area Namibia

 

Der Ausbruch des 1. Weltkrieges brachte die Diamantenförderung de facto zum Erliegen und mit der Kapitulation der deutschen Streitkräfte vor den Truppen der Südafrikanischen Union am 09. Juli 1915 endete die deutsche Kolonialherrschaft in Südwestafrika und wurde durch den Versailler Vertrag 1919 endgültig besiegelt. Somit fielen alle Schürfrechte bis dato an südafrikanische Mienengesellschaften.

 

Colmanskop ghost town Namibia
Colmanskop ghost town Namibia

 

In Kolmanskuppe wurde auch nach diesen geschichtlichen Ereignissen weiter nach Diamanten gesucht, bis das Gebiet 1931 als weitgehend ausgebeutet galt. Insbesondere am Oranjemund neu entdeckte Diamantenfelder beschleunigten den Niedergang und eine südliche Verlagerung der Diamantenförderung.

 

1956 wurde die Siedlung Kolmanskuppe endgültig verlassen und entwickelte sich in den folgenden Jahren in eine Geisterstadt.    

 

Colmanskop ghost town Namibia
Colmanskop ghost town Namibia

 

Langsam erobert sich die Natur Kolmanskuppe zurück. Der gnadenlose Wind treibt Sand durch Türen und Fenster in die Häuser und türmt sich in einigen Häusern zu wahren Dünen auf. Tapeten und Sprossenfenster aus kaiserlichen Zeiten verwittern langsam im ariden Klima und versetzen jeden Besucher unmittelbar zurück in eine Zeit vor hundert Jahren. Nichtsdestotrotz werden die Überreste im Wüstensand mehr und mehr begraben, dem Sand, mit dem alle begann.

 

Letztendlich wird die Natur siegen, hier im rauen Sperrgebiet, umso erstaunlicher das die Siedlungen dem Sand bis heute trotzen konnten.

 

Kolmanskuppe ist auch heute einen Ausflug wehrt, jedoch wird dieser Ort von mehr und mehr Touristen besucht, was sich in Fußspur über Fußspur bemerkbar macht und besonders Fotografen abschreckt. Darüber hinaus können viele Leute sich einfach nicht benehmen und so finden sich mittlerweile diverse Müllartikel aus dem 21igsten Jahrhundert in den Häusern.    

 

 

Colmanskop ghost town Namibia
Colmanskop ghost town Namibia

 

Schlussendlich ist Kolmanskuppe auch bereits sehr häufig fotografiert worden und es ist natürlich schön diese Bilder auch selbst und für sich zu machen. Neue Perspektiven zu entdecken wird jedoch immer schwieriger und deswegen ist gerade das südliche Diamantensperrgebiet sehr reizvoll.


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