eine ode an die nikon d810

Einen Tag nach Weihnachten stand ich zum ersten mal auf der Plaza der Elbphilharmonie für mein Projekt "Moin Hamburch!". Es war ein Morgen nach einer nächtlichen Sturmflut und der Wind stand in Böen auf der Front der Elbphilharmonie, genau da wo ich gerade meine Kamera aufbaute und mir nicht sicher war, ob die Kamera und ich nicht beide mit der                                               nächsten Böe über die Brüstung geweht werden. 

 

In diesem Moment wurde mir klar, was diese Geräte eigentlich leisten und meine Nikon D810 hat in den letzten drei Jahren wirklich mit mir gelitten. Es ist an der Zeit dieses klobige Stück, welches mir so ans Herz gewachsen ist, mal zu loben!

 

dried lake sossusvlei | namib desert | namibia 2015
dried lake sossusvlei | namib desert | namibia 2015

 

Einige Kollegen bezeichneten ihre Nikon D810 halb herzlich als Diva, andere behaupten bis heute, scharfe Bilder sind mit dieser Kamera nicht möglich und es handele sich sowieso um ein Relikt aus der Steinzeit. Das mag alles sein und ist heute nicht mein Thema. Wer sich mit der Bildqualität auseinandersetzen möchte, der möge meine Bilder betrachten.

Heute möchte ich ein Loblied anstimmen, dass wir diese Geräte haben und sie uns an Orte begleiten, an denen widrigste Bedingungen herrschen und es alles andere als selbstverständlich ist ein Foto mitzunehmen. Dabei geht es mir gar nicht um die Marke Nikon, ich gehe davon aus das die anderen Hersteller ähnlich robuste Geräte herstellen.

 

bird`s eye view | namib desert | namibia 2015
bird`s eye view | namib desert | namibia 2015

 

Seitdem ich die Nikon D810 vor drei Jahren mit einem lachenden und einem weinenden Auge erworben habe, hat sie mich bereits auf drei Afrikareisen, einer Reise nach Island und diversen ungemütlichen Langzeitbelichtungen begleitet. Verratet es niemanden, aber die Kamera ist mir auch schon mehrfach heruntergefallen und läuft immer noch tadellos...

 

red sossusvlei dunes | namib desert | namibia 2015
red sossusvlei dunes | namib desert | namibia 2015

 

Die Kamera hat mich mehrfach in die Namibwüste begleitet, einem ultimativen Härtetest! In der Sossusvlei ist sie so heiß geworden, dass ich sie nicht mehr anfassen konnte und mir ganz sicher war, dass die Kamera gleich schmilzt.

 

Sie ist mit mir auf mehreren Cessnaflügen unterwegs gewesen, hat tausende Auslösungen hinter sich gebracht, dabei durfte sie wie wir bei weit über 40 Grad schwitzen und schlug im Sekundentakt an das Fenster - ihr glaubt nicht wie schwierig es auf Dauer ist, einen guten Winkel aus einer geschlossenen Cessna zu finden.

 

sandstorm | lüderitz | namib desert | namibia 2015
sandstorm | lüderitz | namib desert | namibia 2015

 

Vor Lüderitz beginnt die Wüste und damit auch die Sandstürme, die Autoscheinwerfer binnen weniger Monate zu Milchglas werden lassen. Einen ganzen Tag trotze die Nikon dem Sandsturm beim Besuch des Diamantensperrgebietes.

 

Niemand anderes packte an diesem Tag seine Kamera aus an diesem wundersamen Ort. Ich war gar nicht so sehr in Sorge um das Objektivglas, vielmehr um den Zoom, den Objektivanschluss und andere kleine Ritzen. Feiner Sand ist wirklich das ultimative Übel und für gewöhnlich kommt er überall hin, aber nicht in die Nikon - er prallte einfach ab.

 

bogenfels | diamant restricted area | namib desert | namibia 2015
bogenfels | diamant restricted area | namib desert | namibia 2015

 

Noch einen draufgesetzt habe ich dann am sogenannten Bogenfels, nahe der Siedlung Bogenfels im Diamantensperrgebiet. Es musste unbedingt eine Langzeitbelichtung von diesem Fels werden und es ist wahrscheinlich die erste und einzige Aufnahme dieser Art von diesem Ort.

 

Ja das Licht ist nicht perfekt - leider kann man sich die Ankunft an diesem atemberaubenden Ort noch nicht aussuchen. Ein Konzessionär bringt im Jahr ca. 1.000 Menschen, Sondergenehmigung vorausgesetzt, an diesen Ort mitten im Diamantensperrgebiet.

 

Jetzt peitsche mir nicht nur der Sand bei der 240 Sekunden Belichtung ins Gesicht, sondern auch noch die salzige Gischt des atlantischen Ozeans und diese verband sich mit dem Sand zu einer hartnäckigen Kruste auf meinem Gesicht, der Kamera und den Plattenfiltern. Irgendwie reichte es dann aber doch für ein brauchbares Resultat, die Nikon D810 nahm wie immer keinen Schaden.

 

ice chunks | jökulsarlòn | iceland – 2016
ice chunks | jökulsarlòn | iceland – 2016

 

Aus der Hitze der südlichen Hemisphäre und den Wüsten ging es im November 2016 bis an die Grenze des nördlichen Polarkreises, nach Island. Ich bin ja kein Freund der Kälte, aber Island faszinierte mich einfach zu sehr.

 

Ich zog einfach all meine Kleidungsstücke übereinander an plus ein paar Neoprengummistiefel und fand mich nahe der Gletscherlagune Jökulsarlòn auf Polareis oder im kalten Atlantik stehend. Eines Morgens habe ich es mal wieder übertrieben und war zu fasziniert von den Eisbergen am Strand. 

 

Das Stativ stand im Wasser wartend auf die richtig Welle, die den Eisberg perfekt umspült. Diese Welle kam dann auch, leider drei Nummern zu groß, ließ den Eisberg abheben und direkt auf uns zuschwimmen, nebenbei überspülte der Atlantik meine Kamera vollständig, bis ich es auf dem Rückzug schaffte das Stativ hektisch aus dem salzigen Wasser zu reißen.

 

Tja was sollte ich machen? Ich entschied mich dafür, die Nikon D810 zum Trocknen kurz in den Wind zu halten - mit Erfolg, leider war die Kamera nun mit einer weißen Salzkruste überzogen, die Einstellräder knirschten und knackten mit jeder Bewegung, das Display zeigte Error an und der Objektivanschluß war bestimmt auch feucht geworden.

 

bruarfoss | iceland 2016
bruarfoss | iceland 2016

 

Weit gefehlt, kurz mit ein paar Feuchttüchern drüber, den Akku ausgetauscht und schon lief die Nikon D810 wieder und kein Fall von Wassereindringen in das Objektiv. Der Fön am Abend tat dann sein übriges, um das Knacken in den Rädern abzustellen.

 

Das war schon beindruckend wie selbstverständlich die Kamera eine volle Dusche Salzwasser abschüttelte. Sand und Salzwasser sind wirklich die größten Feinde, aber anscheinend nicht für diese Kamera.

 

Was kann nach Salz, Sand und geröstet werden (natürlich alles immer unter starkem Wind) noch kommen - klar gefrieren...

 

Unser letzter Fotospot Islands war der weitgehend unbekannte und unglaublich schöne Bruarfoss. Die Temperaturen lagen unter dem Gefrierpunkt, das Wasser war unglaublich kalt, der Wind war mittelstark und ich fror erbärmlich.

 

Langsam kämpften wir uns die steile Böschung hinunter, die eine einzige Eisplatte war - es hatte in der Woche zuvor sintflutartig geregnet. Zumindest hielten die Neoprengummistiefel die Kälte des Wassers ab, leider aber nicht vom Stativ und es gefror binnen Sekunden im kalten Wasser und begann schnell Eiszapfen anzusetzen. Nur unter langem Feuerzeugeinsatz war es mir möglich die Beine des Stativs zu bewegen. Auch das Objektivglas und die Filter bekamen Wasserspritzer ab und gefroren ebenfalls.

 

Nach ca. einer Viertelstunde im Wasser war es dann so kalt geworden, dass der Spiegel der Nikon gefror. Der worst case war eingetreten. Also nahm ich den Eisblock vom Stativ und steckte mir die Kamera unter die Jacke. Fünf Minuten später funktionierte der Spiegel wieder und ich fotografierte weiter.

 

moin hamburch! | elbphilharmonie plaza | hamburg | germany 2016
moin hamburch! | elbphilharmonie plaza | hamburg | germany 2016

 

Ich bin wirklich gespannt, welche großen und kleinen Abenteuer wir noch zusammen erleben dürfen, hoffentlich eine Menge. Die Nikon D810 ist ein wirklich treuer Weggefährte und ich möchte sie gegen nichts eintauschen. Zur Not dient mir das gute Stück in Afrika noch als Waffe, als Maulsperre für ein Krokodil.

 

Da stehe ich nun auf der Plaza der Elbphilharmonie bei gefühlten 10 Windstärken, meinem Parka tragend, den ich natürlich auch auf Island trug, und den Gedanken der vergangenen Reisen nachhängend...

 


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  namib naukluft parks - teil iv

 

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reisebericht und fotoblog nikon d810 ein ungewöhnlicher testbericht