test - kamerawechsel - eine achterbahnfahrt der gefühle - von der nikon d600, d610 und omd em-10 bis hin zur nikon d810, mein ganz persönlicher weg...

Eigentlich hatte ich gar keinen Kamerawechsel im Sinn als ich aus dem Namibia/Botswana Urlaub im Oktober 2014 zurückkehrte, insbesondere die Bilder vom Okavango Delta gefallen mir sehr gut. Demnach gab es gar keinen Grund für mich meine Nikon D610 anzuzweifeln...


Wie es der Zufall so wollte nahm ich Notiz von der Markteinführung der Nikon D750, dem Nachfolger der Nikon D610, die erst im Oktober 2013 erschienen ist. Das erste Modell seiner Art, die Nikon D600, ist gerade mal ein Jahr früher, im September 2012, erschienen. Wieder ein Jahr später stellte Nikon pünktlich zur Photokina die D750 vor.

 

Natürlich ist es Nikon`s gutes Recht Kamera-Updates im Jahresrhythmus als "Modellpflege" herauszubringen , dennoch war ich als Nikon Kunde verärgert weil...


Anfang 2013 habe ich mir eine D600 gekauft und war glücklich bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich massive Flecken auf meinen Bildern am Monitor bemerkte (Sensorfleckenproblem). Das Unheil nahm seinen Lauf... In der Zwischenzeit hat Nikon die D610 auf den Markt gebracht - keine Verbesserungen, aber dafür ist das Problem der Sensorflecken bereinigt. Nach diversen Reklamationen setzte ich mein Recht durch und erhielt kostenlos (mittlerweile lag der Preis einer neuen D610 unter dem von mir bezahlten D600 Preis) einen neuen D610 Body.

 

Mein Ziel war erreicht, die Sensorflecken gehörten der Vergangenheit an, der Preis der D600 viel in den Keller und ich hatte Freude an meiner D610 und das "gear acquisition syndrom" meldete sich nicht weiter zu Wort. (Nebenbei sei angemerkt, dass mir gerade bei der Recherche für diesen Post aufgefallen ist, die D600 ist ca. € 80 teurer bei Amazon als die D610 ist - verrückte Welt.) Lediglich das sehr enge Sensorfeld viel mir bei Wildlifeaufnahmen hin und wieder auf. 

 

Nun ist also die D750 in der Welt, mit größerem Sensorfeld und einigen anderen "netten" Features wie Klappdisplay, WLAN verbessertem Autofocus etc... Nicht das all diese Funktionen für mich wichtig wären, nein "nur" das größere Sensorfeld und der verbesserte Autofocus sind für mich persönlich Kaufargumente.


Um ganz ehrlich zu sein, ich war als Nikon Kunde einfach verärgert, dass es schon wieder eine Modellpflege für die Einführung einer "neuen" Kamera genutzt wurde und zum Preisverfall der D610 führen wird. Ganz klar, ein Preisverfall ist normal und ich muss definitiv auch nicht immer das neueste Modell haben, obwohl ich zugegebenermaßen ein Opfer des "gear acquisition syndrom" bin...


Auf den Punkt gebracht fühle ich mich einfach von Nikon auf den Arm genommen, insbesondere da schon bei der Einführung der D600 gut 80% der Funktionen der jetzigen D750 hätten einbaut sein können und meiner Ansicht nach auch müssen. Das sieht für mich ganz stark nach einer absoluten Gewinnmaximierungsstrategie von Nikon auf dem Rücken der Kunden im gehobenen Preissegment aus und ganz ehrlich, aufgrund der sehr guten Konkurrenz kann Nikon sich das im Moment definitiv nicht leisten.

Von der für mich eigentlichen Selbstverständlichkeit eines kostenlosen und unaufgeforderten Austausches einer offensichtlich fehlkonstruierten Kamera wie der D600 in eine D610 gar nicht zu sprechen. Ganz ehrlich, meiner Ansicht nach hat Nikon dort den schlechtesten Reklamationsservice aller Zeiten bewiesen und von einem geschätzten Kollegen habe ich erfahren, dass diese Probleme  der Verleugnung bis heute anhalten, diesmal bei einer D800.


All diese Ausführen sollten für mich eigentlich ausreichen, um Nikon für immer den Rücken zu kehren. Darüber hinaus bin ich seit einiger Zeit auch stolzer Besitzer einer OMD EM-10 neben meiner Nikon und mein Fazit zur OMD ist voll des Lobes.

Die OMD ist klein und passt endlich, neben all den anderen Sachen, auch in meine tägliche Tasche. Die Kamera ist voll gespickt mit Technik und lässt wirklich kaum einen Wunsch offen. Endlich kann ich auch in der Mittagspause der Streetphotography nachgehen. Um ganz ehrlich zu sein, die Nikon blieb auch am Wochenende fast immer zu Hause, es sei denn im Urlaub oder der geplanten Langzeitbelichtung.

 

Also lag der Gedanke nahe, insbesondere aufgrund meiner gerade gestörten Beziehung zu Nikon, das System Nikon zu verlassen und zu OMD zu wechseln. Ich war von der Entscheidung Nikon oder OMD hin- und hergerissen, kam aber zu keinem zufriedenstellenden Resultat - vielmehr drehte ich mich im Kreis und das machte mir zu schaffen.

 

Also habe ich mir intensiv zu dem Thema Gedanken gemacht was und wie fotografiere ich eigentlich. Seit einiger Zeit habe ich meinen Faible für die Streetphotography entdeckt, der durch die OMD EM-10 nicht besser abgedeckt sein könnte (Hier findet ihr einen kleinen Praxistest zu meinen Erfahrungen mit der OMD EM-10 und hier).


Ansonsten interessiere ich mich für die Reise- und Landschafts- sowie die Wildlifephotography, zur Zeit insbesondere in Afrika. In diesem Bereich der Fotografie fotografiere ich sehr zielgerichtet und nutze ausschließlich das Okular der Kamera, mache mir Gedanken über den Bildausschnitt und mache diverse Aufnahmen, bis ich mit dem Resultat zufrieden bin.

Wenn ich ein Foto mache, dann habe ich einen riesigen Abzug des Bildes an der Wand vor Augen. Hierfür wünsche ich mir natürlich eine maximale Auflösung des finalen Bildes.


Nicht das es viele Bilder in dieser Größe an die Wand schaffen, schließlich ist der Platz beschränkt und die Druckkosten in dieser Größendimension sind nicht zu verachten, dennoch treibt mich dieser Gedanke an und beeinflusst auch die Art und Weise wie ich ein Bild fotografiere.

 

Entscheidendes Kriterium ist für mich persönlich hier die Auflösung in Megapixeln und ein gutes Okular. Zudem kann man bei der Wildlifephotography kaum genug Megapixel haben. Selbst mit horrender Brennweite kommt man an viele Tiere nicht so nah dran wie man gern möchte, sodass das Corden des Fotos unausweichlich ist und hier kommen einem megapixelstarke Sensoren entgegen. Ein weites Sensorfeld wie das der D750, D810 ist da natürlich auch eine Wonne gegenüber dem der D600, D610.

 

Im afrikanischen Busch oder in der Wüste brauche ich kein WLAN oder Klappdisplay und ein möglichst kleines und leichtes Equipment (ich bin nicht zu Fuß unterwegs). Nennt mich Oldschool, aber hier habe ich wirklich gern ein Arbeitswerkzeug in der Hand, welches auch widrigen Bedingungen wie starker Hitze großen Temperaturschwankungen und erheblicher Sandverschmutzung standhält sowie im Zweifel auch mal als Drohgebärde in Form eines massiven Stocks zur Verteidigung gegen aggressive Paviane dient...

 

Ansonsten beschäftige ich mich noch gern mit der Astrofotografie und insbesondere der Langzeitbelichtung. Gerade bei der Astrofotografie sind hohe ISO-Zahlen von Vorteil, darüber hinaus sollte der Sensor einen möglichst hohen Kontrastumfang wiedergeben. Hier kommt auch wieder mein Pixel peepen, mit dem Gedanken eines riesigen Wandabzugs, zum tragen. Es ist glaube ich kein Geheimnis, dass die ISO Lichtstärke der OMD Kameras zur Zeit noch kein Highlight dieser Kameras sind.

 

Lange Rede kurzer Sinn, nach all den Gedanken bin ich zu folgendem Schluss gekommen, für meine persönliche Art der Fotografie ist eine megapixelstarke Kamera sinnvoll. Sehr wahrscheinlich reichen die 24 Megapixel der D610 und D750 locker aus, aber mein haben wollen Männchen und die Abneigung des Jahreswechselrhythmus bei der D600, D610 und D750 waren stärker und so habe ich kompromisslos Nägel mit Köpfen gemacht und mir eine D810 gekauft und wer weiss, ob ich jemals wieder in der Lage bin mir solch eine Kamera zu kaufen.

 

Natürlich sieht man den Megapixelunterschied auf Bildern am PC und im Internet  sowie auch auf recht großen Wandabzügen nicht. Dennoch haben es mir die Cropmöglichkeit und die feinen Details angetan.

Ob ich eine solche Kamera brauche - sicher nicht. Ob ich diese Kamera ausreize - sicher nicht. Ein Großteil der Entscheidungsfindung ist dem "gear acquisition syndrom" geschuldet!


Warum habe ich Nikon aber letztendlich doch nicht den Rücken gekehrt, nachdem sie mich durch die Behandlung meinerseits quasi darum gebeten haben. Fotografie ist Emotion, so hoffe ich doch noch und nicht nur Technik. Mit Nikon verbinde ich tolle Erfahrungen, meine ersten Bilder mit einer D90 in Namibia, die den Bilder mit der D610 in nichts nachstehen und auch die D810 wird ganz sicher nicht mehr Emotion transportieren zu vermögen.

Darüber hinaus hat mich eine Woche Astrofotografie auf La Palma mit meiner Nikon zusammengeschweißt. Dieser Wind und diese Kälte auf 1600m Höhe, der klare Sternenhimmel über mir, dass klacken des Auslösers begleitet einen durch die Nacht, bis man morgens um 3 oder 6 vollkommen durchgefroren in den Wagen kriecht und zum Hotel fährt. Hier lernt man seine Kamera wirklich blind und mit total durchgefrorenen Händen zu bedienen, das verbindet und ganz ehrlich, dass könnte ich bei einer OMD glaube ich gar nicht. Mein Punkt ist also, das all diese Erinnerungen immer wieder präsent werden, wenn ich mit einer Nikon unterwegs bin. Das hätte auch jeder andere Kamerahersteller sein können, war bei mir aber eben Nikon. Da bin ich ganz emotional und dazu stehe ich auch.

 

Alle Kameras auf dem Markt bieten eine hervorragende Bildqualität und dennoch hat mich diese Entscheidung mehrere Wochen in Atem gehalten. Ich bin wirklich froh eine Entscheidung getroffen und durchgezogen zu haben. Nun kann ich mich wieder auf das Fotografieren und Spaß haben konzentrieren.

Entscheidend ist doch "nur", dass wir eine Kamera benutzen mit der wir uns persönlich wohl fühlen, die uns ans Handgelenk "gewachsen" ist und die wir intuitiv - blind bedienen können, sodass wir uns auf das Foto und nicht die Technik konzentrieren können.


Die Unterschiede zwischen den einzelnen Modellen der Kameras sind ehrlich gesagt doch marginal bis vernachlässigbar in der Qualität und ganz ehrlich, beurteilt ihr ein Foto nach seiner Auflösungsqualität. Es geht doch vielmehr um die Aussage und die Emotion die uns ein Bild vermittelt, da kann es noch so unscharf oder verwackelt sein. Oftmals ist es gerade das was ein Foto so einzigartig und emotionsstark macht.

 

Mein kleiner Mann im Kopf ist verstummt und bleibt auch weiter stumm - dafür sorge ich, auch wenn neue Kameramodelle auf den Markt kommen und das werden sie zuhauf.

 

Nach all dem Hype denke ich sogar über eine analoge Kamera nach - nein, nicht das diese besser ist oder ich damit besonders gut umgehen kann. Es geht um den Spaß an der Sache, um das Ausprobieren und das Transportieren von Emotionen in Momenten. Vielleicht probiere ich es mal aus...

 

In der Zwischenzeit habe ich ein neues Motto - "buy books not gear" aber bitte Bücher mit Bildern zur Inspiration. Natürlich ist auch das Reisen nicht zu vernachlässigen, fotografiere ich in einer fremden Umgebung doch immer am liebsten und gelöstesten, aufgrund all der neuen und unbekannten Eindrücke.

 

In diesem Sinn verabschiede ich mich vom Kanal des Pixel peepens und mache zur Abwechslung mal ein Foto, ich hoffe ihr auch...

 


Fotoblog Testbericht und Kamerauswahl zwischen Nikon D600, D610, D810 and Olympus OMD EM10